Flugplatz-Verein zieht in Brocker Mühle
Bild: Steinecke
Eine komplette Suchoi Su 22 M4 zeigt Thomas Krell. Das vereinseigene Fluggerät wird gerade an der Marienfelder Straße zwischengelagert.
Bild: Steinecke

Die Truppe brachte jetzt ihre neueste Errungenschaft, das Cockpit einer English Electric Canberra T. MK 4 WT 480, auf Vordermann – und zwar an einem ganz besonderen Ort. Die Brocker Mühle ist die neue Heimat des im Dezember 2014 gegründeten Vereins und seiner 25 Mitglieder.

Zumindest fast: Voraussetzung ist, dass der Kreis Gütersloh die Nutzungsänderung des Mühlengebäudes absegnet. „Die Anträge liegen dem Kreis vor. Wir warten jetzt auf eine Entscheidung und hoffen, dass das bis Ende des Jahres klappt. Im Moment entstehen nur Kosten“, sagt der Vorsitzende Marc Tecklenborg.

Der ursprüngliche Plan, auf dem Gelände des Flugplatzes einen Hangar als Museum einzurichten, ließ sich nicht realisieren. Die britischen Verantwortlichen sahen momentan dafür noch keine Möglichkeit, da der Flughafen noch genutzt wird. „Vielleicht klappt das dann nach 2020“, sagt Marc Tecklenborg. Zumindest die Stadt Gütersloh habe in Gesprächen Kooperationsbereitschaft und Interesse signalisiert.

Zunächst aber geht es an der Brocker Mühle weiter. Der Mietvertrag mit der Eigentümerin ist bereits unterschrieben. „Ich finde das gut, was der Verein hier macht“, sagt Michael Disselkamp, Schwiegersohn der Vermieterin. Eigentlich wollten die Flugzeugfreunde bereits in der zweiten Hälfte 2015 ihr Museum dort eröffnen. Allerdings gibt es noch einiges zu tun. Mitglied Thomas Krell erklärt deshalb: „Bei realistischer Betrachtung wird das in der zweiten Hälfte 2016 etwas.“

Die Basis in der Mühle, an der mittwochs auch immer der Motorradtreff stattfindet, ist gut. Allerdings muss noch einiges renoviert werden. In der unteren Etage sollen mehrere Ausstellungsräume entstehen. Zwei Cockpit-Section-Exponate sollen zu sehen sein. Außerdem sollen Gegenstände der Luftfahrtgeschichte gezeigt werden. Auch Filme und Fotos, auch vom Gütersloher Flughafen und seiner Geschichte, sind möglich. Auf dem Außengelände neben dem Mühlengebäude soll Platz für zwei Flugzeuge geschaffen werden.

Doch die Mühle bietet noch mehr Potenzial. Mittelfristig kann sich Thomas Krell vorstellen, auch die alte Mühlentechnik mit in die Ausstellung einzubeziehen. So befindet sich im Keller noch ein alter Deutz-Einzylinder, mit dem das Mahlwerk angetrieben wurde. Und die erste Etage bietet Platz, um weitere Technik zu präsentieren.

Viele gute Ideen

An Ideen mangelt es den flugbegeisterten Vereinsmitgliedern nicht. Auch genügend Ausstattung ist vorhanden. Jetzt gilt es, dafür einen passenden Rahmen zu schaffen. Die Initiative von Marc Tecklenborg, Marcus Herbote und Hagen Franke, mit der sie die Geschichte des Gütersloher Flughafens nacherzählen wollen, nimmt immer konkretere Formen an. Mühlen-Gastronomie und Ausstellung sollen sich gegenseitig befruchten, denn die Besucher hätten die Möglichkeit, sich im Restaurant zu stärken.

Finanziert wird zurzeit alles aus Eigenmitteln. Dazu gehört auch der Erwerb von Ausstellungsstücken. Eine komplette Suchoi Su 22 M4 ist gerade an der Marienfelder Straße zwischengelagert. Die entmilitarisierte und nicht mehr flugfähige Maschine soll noch aufbereitet werden und eine neue Lackierung bekommen.

Außerdem wartet eine de Havilland Vampire T. Mk 11 in England darauf, abgeholt zu werden. Die Transportkosten sind das größte Hindernis. Eine Hawker Siddley Harrier Gr. Mk 3 ist auf dem besten Weg der Fertigstellung. Sie befindet sich beim Lackierer gerade in der Farbdusche. Dabei handelt es sich ebenso um ein Cockpit wie das vor drei Wochen neu erworbene Stück, eine English Electric Canberra T. Mk 4. Der leichte Bomber aus dem Jahr 1955 wurde als Ausbildungsflugzeug eingesetzt und befindet sich gerade in der Scheune an der Brocker Mühle, wo er von den Vereinsmitgliedern aufgearbeitet wird.

Ihre Leidenschaft teilen Tecklenborg, Herbote und Franke von Kindesbeinen an. Am Zaun des Flughafens haben sie sich die Nase plattgedrückt, um den Flugbetrieb der bis 1993 dort stationierten Royal Airforce zu beobachten und zu fotografieren. Diesen Traum jetzt selbst zu gestalten, haben sie sich zum Ziel gesetzt. Mit Flugzeugtechniker Mark Richards ist ein echter Profi an Bord. Die Ersatzteile sind vor den Hintergrund, dass die nicht mehr gebauten Suchois vom polnischen Militär noch bis 2020 in Betrieb gehalten werden, zum Teil richtig teuer geworden. Der Verein kann Unterstützung in jeglicher Form gebrauchen. Das betrifft nicht nur Geldspenden. Sachleistungen, Dienstleistungen, persönliche Hilfe und neue Mitglieder sind ebenso willkommen.

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