Frank Kulik erlöst die Stadtschützen
Bild: Dünhölter
Das neue Königspaar der Gütersloher Stadtschützen  Petra und Frank Kulik.
Bild: Dünhölter

Denn als Insignien und Flügel gefallen sind und Oberst Carsten Kuhlmann das Sicherungshölzchen entfernen lässt, herrscht Leere am Schießstand. Lediglich Guido Elbracht (König 2010) und Thorsten Lütgert (zuletzt dreimal im Thron) geben wenig ambitionierte Schüsse ab, zwischendurch auch Günter Schnakenwinkel (Kaiser 2001). Das Risiko, den Vogel herunterzuholen, will niemand eingehen. Überzeugungsversuche vor dem Schießstand fruchten nicht. Der Musikverein Avenwedde muss Überstunden machen.

Dass der Tag einmal kommen würde, an dem keiner wolle, sei absehbar gewesen, sagt der Vorsitzende André Schnakenwinkel am Rand des Schießens. In den vergangenen Jahren sei der Vorstand in die Bresche gesprungen. Wenn sich niemand finde, bleibe der Vogel eben oben. Punkt.

Dann greift er zum Mikrofon und appelliert an die Mitglieder: „Geht mal in euch, denkt darüber nach, wie viele schöne Jahre ihr bei der Gütersloher Schützengesellschaft verbracht habt, und dann wollen wir hoffen, dass der Vogel bald fällt.“ Als Kronenschützen komme er selbst nicht infrage – zumal Schnakenwinkel 2011 Kaiser war.

Gehört hat es Frank Kulig. Der Inhaber einer Metallwarenfabrik und der Firma Zaunteam eilt nach kurzem Zögern ans Gewehr und hört erst auf zu schießen, als der Vogel fällt. Seine Frau Petra Kulik (52) ahnt zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass sie gleich Königin sein wird. „Mein Mann weiß, dass ich zu seinen Entscheidungen stehe“, sagt sie der „Glocke“ später.

Die Überraschung der Umstehenden ist groß, erst allmählich brandet Jubel auf, bevor Kulik ins Zelt getragen wird. Der 47-Jährige hatte tatsächlich schon 2010 Ambitionen, als Elbracht am Ende der Glücklichere war. Oberst Kuhlmann erleichtert: „Ich bin so glücklich wie schon lange nicht mehr.“

Manch ein Beobachter ist sich an diesem Tag sicher: Wenn auch die Frauen bis zum Ende mitschießen dürften, wäre der Vogel schneller und auch ohne Appell des Vorsitzenden gefallen. Mindestens zwei bis drei Aspirantinnen gebe es. Aber es ist bei den Stadtschützen ein ungeschriebenes Gesetz, dass sich die weiblichen Mitglieder zum Ende des Schießens nicht mehr einreihen.

Das ist bei den Insignien anders. Nachdem Schnakenwinkel schon mit dem fünften Schuss die Krone erlegt, holt sich Sandra Kuhlmann mit dem 62. Schuss den Apfel. Das Zepter geht an Nicole Schmäling (377). So lange hat es noch nie gedauert. Um den linken Flügel beraubt Judith Wiemann den Vogel (478.). Der rechte Flügel kommt wieder in Männerhände. Weil Thorsten Lütgert (698.) allerdings schon einmal einen rechten Flügel ergattert hatte, wird ein Fass Freibier fällig.

Das Vogelschießen, das mit einiger Verspätung erst nach 12 Uhr begonnen hatte, wird auch an diesem Schützenfestmontag wieder von vielen Gästen verfolgt. Allerdings sind es weniger als sonst. Standen die Besucher früher dicht gedrängt, gibt es diesmal reichlich Lücken.

Der guten Stimmung des scheidenden Königs Daniel Schüppen und seiner Königin Michaela tut das keinen Abbruch. Das vergangene Jahr sei super gewesen, sagt Noch-Regent Daniel Schüppen der „Glocke“: „Wir hatten eine tolle Throngemeinschaft.“ Ein Höhepunkt des Jahres sei der Winterball gewesen – die Nacht der Rosen. Eine prangt auf der Königskette. Besonders gefreut hat Schüppen, dass am Sonntag zum Festumzug die Sonne durchgebrochen ist.

Schüppens Regentschaft endet, als sein Nachfolger Frank II. auf den Schultern zweier Kameraden ins Zelt getragen und der mutige Schütze zum König proklamiert wird. Weil André Schnakenwinkel seit Jahren Probleme mit dem korrekten Binden des Krawattenknotens habe, schenkt Schüppen ihm noch einen Schlips, der nur umgehängt und nicht mehr gebunden werden muss. Bislang hätten Carsten Kuhlmann und Schüppen Jahr für Jahr die Krawatte ihres Vorsitzenden binden müssen, heißt es.

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