Fulminante Woche der kleinen Künste
Bild: Dünhölter
Die Slapstickers aus Köln: Die neunköpfige Formation um Sänger Christian Spiecker schaffte es, mit schnellen und mitreißenden Ska-Klängen großes Ohrenkino auszulösen.
Bild: Dünhölter

Am letzten Abend des Konzertreigens passierte es dann doch: Beim Auftritt der Clem Clempson Band prasselten in der letzten von insgesamt 16 Stunden Live-Musik ab 22.30 Uhr dicke Tropfen auf das begeistert mitfeiernde Publikum. Aber nur wenige traten deswegen beim Auftritt der zusammen 140 Jahre jungen Rockheroen Clem Clempson (65 Jahre) und Chris Farlowe (75) den Heimweg an.

Begonnen hatte der Freitag mit der Frage, ob sich der Vortag noch toppen lassen würde. Geschätzt mehr als 3500 Besucher hatten den Auftritt der Brüder Wingenfelder gefeiert. Die Macher der Festwoche um den Vorsitzenden Hans-Hermann Strandt gaben darauf die richtige Antwort: Sie präsentierten zwei ganz andere Musikstile als an den vier Vortagen und setzten damit neue Akzente.

Wie seine engagierten Helfer war Strandt bei seinem Fazit daher zwar müde, aber auch stolz und glücklich: „Für uns ist es gelaufen wie ein Länderspiel. Wir haben es geschafft, eine unglaubliche stilistische Breite auf die Bühne zu bekommen. Alle zehn Künstler und Gruppen hatten eine exzellente Qualität.“

Insbesondere galt das nicht nur für die – offiziell nicht vorhandenen – Hauptattraktionen (Strandt: „Wir haben keine Top-Acts. Uns sind alle zehn Künstler gleich wichtig. Wir haben zehn Attraktionen“), sondern auch für die abseits der üblichen Stilrichtungen zu hörenden Musikarten „Arabicana“ (von „No Blues“, Donnerstag)  und den ungewöhnlichen Stimmakrobaten Peter Fessler. Dass auch die Spielarten abseits des Massengeschmacks beim Publikum so gut ankamen, ist für Strandt und Co. Motivation und Antrieb zugleich: „Manch einer hat bestimmt zum ersten Mal einen Stimmakrobaten gehört. Genau das ist aber unser Anspruch: Wir wollen als oberstes Ziel die Menschen unterhalten, aber auch mit kulturellen, musikalischen Neuerungen Akzente setzen.“

Den seit Jahren bekannten Konflikt zwischen den reinen Musikfans und jenen, die in erster Linie zum Klönen mit Freunden kommen, will der Vorsitzende nicht überbewerten: „Wir sind eine Mischung aus Stadt- und Kulturfest. Natürlich ist der Gesprächspegel beim Musikhören nicht gerade förderlich, aber wir können damit leben. Für das Organisationsteam steht das kulturelle, musikalische Programm ganz klar im Mittelpunkt.“

Begeistert haben am Freitag auch die Slapstickers aus Köln. Die neunköpfige Formation um den dynamisch wie ein Flummi auf der Bühne herumhüpfenden Sänger Christian Spiecker schaffte es, mit schnellen und mitreißenden Ska-Klängen im Madness-Stil großes Ohrenkino auszulösen. Die Beine dabei still zuhalten, war so gut wie unmöglich. Schon um 20.20 Uhr wurde der Raum vor der Bühne zur Tanzzone umfunktioniert. Am Ende eines erneut großartigen Abends waren sich alle einig: Die Woche der kleine Künste verging wieder einmal wie im Flug – und zu schnell.

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