Furioser Auftakt des Jazzfests
Bild: Klostermeier
Höhepunkt des Auftaktabends zum WDR-3-Jazzfest in Gütersloh: Stefano Bollani entfachte ein Feuerwerk der Improvisationskunst.
Bild: Klostermeier

Vier lange Konzertabende präsentiert WDR 3 den Gütersloher Jazzfans noch bis Sonntag. Der erste entpuppte sich als verheißungsvoller Auftakt, der sich kontinuierlich bis zum Finale furioso steigerte. Zum Auftakt hörten die 450 Gäste im für einen Werktag erstaunlich gut gefüllten Theater zunächst das Quintett der amerikanischen Tenor-Saxofonistin Virginia Mayhew, das sich dem Werk der Pianistin und Komponistin Mary Lou Williams widmete.

zweiten Set des Abends überzeugten die amerikanischen Sängerinnen Melba Joyce und Carmen Bradford in ihrer Interpretation des „American Songbook“ nicht nur mit zwei völlig unterschiedlichen Stimmen, sondern offenbarten im Duett bisweilen auch schauspielerisches Talent. Außerdem hatten die beiden den hervorragenden Pianisten Kirk Lightsey mitgebracht. Sein perlendes Spiel setzte die Stimmen der beiden Diven gekonnt in Szene und sorgte zudem für einen perfekten Einstieg ins nächste Konzert.

Zum Abschluss des ersten Festival-Abends nahm der italienische Pianist Stefano Bollani an dem einsam auf der Bühnenmitte thronenden Steinway-Flügel Platz und entfesselte in den folgenden 60 Minuten ein Feuerwerk der Improvisationskunst. Ob „Besame Mucho“, „When the Saints Go Marching in“ oder Harry Belafontes unverwüstliches „Matilda“ – der Ausnahmepianist aus Mailand zauberte aus jedem Stück ein kleines musikalisches Kunstwerk und präsentierte dabei im Kontrast zu den oft anstrengenden Auftritten seines Kollegen Keith Jarrett, wie viel Spaß so ein Solokonzert machen kann und dass im Publikum dabei auch mal gelacht werden darf.

Als Zugabe gab’s zum Schluss noch ein improvisiertes Wunschkonzert: Die Zuhörer durften ihren Wunschtitel in den Saal rufen. Bollani notierte die ersten zehn Stücke und strickte daraus ein Medley zwischen Genie und Wahnsinn – inklusive „Take the A-Train“, „Volare“, „Happy Birthday“ und Beethovens fünfter Sinfonie – einfach phänomenal. Wer übrigens tatsächlich schon im Bett war, kann das Konzert am 20. Februar auf WDR 3 nachhören.

Freier Eintritt auf der Studiobühne

Die Konzerte im Theatersaal am Samstag und Sonntag sind ausverkauft, doch für die Auftritte auf der Studiobühne gilt: freier Eintritt. Wer früh genug da ist, hat die Chance auf einen Platz. Der Einlass zu den fünf Konzerten beginnt eine Stunde vor Beginn.

Folgende Künstler treten am heutigen Samstag auf: Ab 19 Uhr suchen Claudio Puntin, Samuel Rohrer und Max Loderbauer nach einem Ausgleich der Gegensätze zwischen analogem und digitalem Klang. Ab 23 Uhr gibt der junge Kölner Schlagzeuger Jonas Burgwinkel sein erstes öffentliches Solo-Konzert.

Am Sonntag führt das Alexander-Hawkins-Nonet ab 19 Uhr alte Barockmusik mit aktueller, teils frei improvisierter Musik kontrastreich und abstrakt zusammen.

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