Gastronomen basteln an Strategien
Foto: Bojak
Im Sonnenschein draußen beim Bankery zu sitzen, machte den Gästen und Inhaber Ralf Schubert am Freitag sichtlich Freude; für die kältere Jahreszeit will er die Platzkapazität innen mittels Trennscheiben deutlich erhöhen.
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Stippvisiten bei Gütersloher Restaurant-Inhabern geben einen Ausblick auf die Saison in der kühleren Jahreszeit. Heizpilze – mit Öl oder Gas betrieben – gelten als besonders klimaschädlich, weil sie große Mengen Kohlendioxid ausstoßen. Deshalb sind sie in einigen wenigen NRW-Städten wie Münster oder Essen verboten. In Gütersloh ist das nicht der Fall. „Für draußen gibt es Sondernutzungserlaubnisse“, erläutert Thomas Habig, Leiter des städtischen Fachbereichs Ordnung, auf Nachfrage. „Das gilt für Tische, Stühle und Sonnenschirme. Alles, was zusätzlich aufgestellt wird – wie Heizpilze, Wärmestrahler oder auch Werbetafeln – erfordert eine besondere Genehmigung.“ Also müsse dafür ein Antrag im Rathaus gestellt werden, der „wohlwollend geprüft“ werde. Bisher sei ein solcher Antrag noch nicht eingegangen. Es gebe nur zwei, drei Voranfragen, die Pagodenzelte für den Wetterschutz angingen, sagt Habig. 

Weder auf Heizpilze noch auf Strahler setzen Ralf Schubert, Geschäftsführer vom Bankery, und sein Sohn Manuel, der das Alex leitet. „Wir haben das Kontingent unserer blauen Wolldecken erhöht und überlegen, ob wir mit einer Markise eine Überdachung schaffen“, sagt Ralf Schubert. Investieren will er allerdings in den Innenausbau, um dort mehr Plätze zu schaffen. Es ist geplant, zwischen den Tischen 1,40 Meter breite und 1,80 Meter hohe Glaselemente einzubauen, damit der Mindestabstand von 1,50 Meter hinfällig wird. „Das ist behördlich schon genehmigt“, sagt Schubert und hofft, auf diese Weise die Kapazität wieder um 30 Prozent hochzufahren. „Damit sind wir für die kalte Jahreszeit vom Feinsten gewappnet.“ 

„Wir müssen Gas geben“, sagt Manuel Schubert (33) vom Alex zur Investition in die gleiche Strategie. Gäste abzuweisen, weil kein Platz mehr vorhanden ist, soll der Vergangenheit angehören. Für Raucher gebe es nach wie vor den elektrisch betriebenen Heizpilz auf der Dachterrasse. „Sonst muss mit den angebrachten Trennwänden niemand mehr nach draußen ausweichen.“ Planen als Windschutz und Wärmestrahler will in Kürze das Mittel East schräg gegenüber anbringen. Das früher am Abend schließende Miners Coffee am Kolbeplatz begnügt sich damit, draußen Decken auszulegen.

Offensive mit vier Heizpilzen

In die Offensive geht Kathrin Dudding, die das Green’s an der Friedrichstraße seit 17 Jahren leitet. „Wir haben seit Beginn der Corona-Pandemie ganz schön gelitten“, gibt die frischgebackene Restaurant-Meisterin zu. Jetzt hat sie vier Heizpilze bestellt, die elektrisch betrieben werden, denn „wir wollen auf Umweltschänder verzichten“. Bei 30 Tischen mit rund 150 Plätzen im Außenbereich gelte es, flächendeckend zu arbeiten. Hinzu kämen die Riesenmarkisen, um die Wärme zu stauen. Und genügend Decken stünden auch zur Verfügung. „Wir greifen zu diesen Maßnahmen, um das Jahr zu retten“, sagt Kathrin Dudding klipp und klar. 

Bei der Bar Celona am Kolbeplatz sind die an der Fassade befestigten Heizstrahler in den Abendstunden längst in Betrieb. Markisen und Stoffdecken ermöglichen es zudem, sich im Freien aufzuhalten. Von Heizpilzen hält Betriebsleiter Berkhan Engin nichts. Einerseits gebe es hohe Energiekosten, andererseits kämen die Wärmespender wegen des Verletzungsrisikos nicht in Frage: „Wenn die Pilze falsch bedient werden, kann es gefährlich werden.“ Finanziell Bilanz ziehen will Engin („Wir haben Glück, dass wir ein größeres Geschäft haben“) nach dem krassen Ausnahmejahr erst zur Weihnachtszeit. „Dann werden wir sehen, was wir verloren haben.“

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