Gauck würdigt Bertelsmann Stiftung
Bild: Dünhölter
Bundespräsident a. D. Joachim Gauck gratulierte der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Liz Mohn und dem Vorstandsvorsitzenden Aart de Geus beim Festakt im Theater zum 40-jährigen Bestehen der Bertelsmann Stiftung.
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„Es gibt Wochen, in denen macht mich die Stiftung fast jeden Tag ein wenige schlauer“, sagte Gauck vor rund 500 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Gütersloher Theater mit Blick auf die Studien und Projekte aus Gütersloh. „Die Stiftung will Einfluss auf Politik und Gesellschaft nehmen, aus Vergleichen zwischen verschiedenen Ländern lernen, auf Reformbedarf im eigenen Land verweisen und – wo möglich – Neuerungen durchsetzen im Interesse einer besseren Zukunft.“

Die Stiftung sei nach 40 Jahren „eine Denkfabrik, die in Deutschland, aber auch in Europa zu den größten und einflussreichsten gemeinnützigen Stiftungen zählt“, sagte Gauck. Er würdigte den Stifter Reinhard Mohn als einen Mann, „der so viel bewegte wie nur wenige Firmenpatriarchen seiner Generation“. Mohn (1921-2009) hatte die Stiftung 1977 gegründet und ihr 1993 den Großteil der Kapitalanteile an der damaligen Bertelsmann AG übertragen. Lob gelte Mohn und seinen Nachfolgern, sagte der ehemalige Bundespräsident.

Gauck widmete sich auch der immer wieder aufkeimenden Kritik am Einfluss der Stiftung: „Natürlich werden Stiftungen sich für Lösungen stark machen, von denen sie überzeugt sind, dass sie auch für ihr Unternehmen sinnvoll wären. Aber wer Stiftungen einfach zu Drahtziehern der Politik macht und die Politiker zu Marionetten von Stiftungen, hat dies wohl aus ideologischen Gründen nötig“, sagte Gauck.

„Der Politik, der Wirtschaft, der Zivilgesellschaft, den Medien, ja jedem Einzelnen wollen wir Orientierung geben“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Aart De Geus. „Wir möchten Mut geben und Kraft vermitteln, indem wir die Menschen durch faktenbasierte Information wieder urteilsfähig und handlungsfähig machen“, so De Geus. In einer Welt, in der die Grenzen zwischen Fakten und sogenannten alternativen Fakten verwischten, wolle die Stiftung „parteipolitisch neutral und wissenschaftlich fundiert informieren“.

„Unsere Familie hat schon früh Verantwortung für die Mitarbeiter und die Gesellschaft übernommen“, sagt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Liz Mohn. Als ihr Mann Reinhard die Stiftung gegründet und ihr später das Vermögen übertragen habe, sei das „für die Familie ein höchst emotionaler und bewegender Moment“ gewesen. Die Stiftung wolle in einer Zeit des Umbruchs Orientierung geben, Brücken bauen und Verantwortung übernehmen.

Gratulanten aus aller Welt

Außer den Gratulanten im Theater sind – wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier – zahlreiche Persönlichkeiten mit Videogrußbotschaften eingespielt worden. Dazu zählten Preisträger des Reinhard-Mohn-Preises wie Kofi Annan, Professor Klaus Schwab und Dr. Rita Süssmuth, aber auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD): „Seit 40 Jahren ist die Bertelsmann Stiftung eine starke Stimme in den großen gesellschaftspolitischen Debatten“, sagte Kraft. Weitere Gratulanten waren Bundesverteidigungsministerium Ursula von der Leyen (CDU), der frühere US-Außenminister Henry Kissinger, Daimler-Chef Dieter Zetsche und IWF-Chefin Christine Lagarde. Am Festakt nahm auch der Musiker Peter Maffay teil.

Das eineinhalbstündige Programm wurde aufgelockert durch eine getanzte Inszenierung. Das „LED Ballett“ wurde für den Festakt choreographiert vom Tänzer und Choreographen Flavio Salamanka (Badisches Staatstheater, Karlsruhe) zusammen mit freien Tänzerinnen. Die Kostüme wurden nach Angaben der Stiftung ebenso für den Festakt entworfen und hergestellt.

Der Festakt im Theater ist Teil des Programms der Bertelsmann Stiftung zu ihrem 40-jährigen Bestehen gewesen. Am Donnerstag, 29. Juni, folgt, ebenfalls im Theater, die Verleihung des Reinhard-Mohn-Preises zum Thema „Smart Country“ an den ehemaligen estnischen Staatspräsidenten Toomas Hendrik Ilves. Der Preis ist mit 200 000 Euro dotiert. Für Samstag, 16. September, laden die Bertelsmann Stiftung und die Stadt Gütersloh zu einem Bürgertag mit vielen Angeboten rund um den Dreieckplatz ein. Und vom 7. bis zum 14. Oktober feiert der internationale Gesangswettbewerb „Neue Stimmen“ sein 30-jähriges Bestehen.

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