Gedenken an ermordete Patienten
Den Opfern einen Namen geben: Das beleuchtete Band in der Kreuzkirche, auf dem alle 1017 ermordeten Psychiatrie-Patienten verzeichnet sind, ist der eindrucksvollste Teil der neuen Gedenkstätte. Das Namensband verläuft an drei Seiten der Kreuzkirche auf dem Klinikgelände.

Das nationalsozialistische Regime mit seiner menschenverachtenden Rassenhygiene sprach ihnen das Recht zu leben ab. Die 1017 Menschen wurden ermordet, weil sie den Machthabern als „gänzlich gemeinschafts- und arbeitsunfähig“ galten.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe erinnert jetzt auf dem Gelände der LWL-Klinik an diese Opfer des finstersten Kapitels deutscher Geschichte. Die neue, am Mittwoch eingeweihte Erinnerungsstätte umfasst den vormaligen Anstaltsfriedhof, einen Gedenkstein und beleuchtete Namensbänder an den Wänden der Kreuzkirche.

Der Stein stellt laut LWL eine symbolische Ruhestätte für die Ermordeten dar. In der Kreuzkirche sind sie alle persönlich genannt. Informationstafeln auf dem Friedhof gruppieren sich zu einem Rundgang, der exemplarisch die Geschichte der Einrichtung und der Psychiatrie erschließt. Es gehe auch darum, „die Erinnerung in nachfolgenden Generationen wachzuhalten“, erklärt das LWL-Klinikum. „Diese Gedenkstätte soll die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte fördern. Wir wollen zum Nachdenken darüber anregen, was eine humane Gesellschaft heute auszeichnet.“

Die Klinik-Seelsorgerin Ulrike Koj gab zum Auftakt der Einweihungsfeier einen geistlichen Impuls. Bürgermeisterin Maria Unger (SPD) sagte: „Fassungslos stehen wir auch nach Jahrzehnten vor dem Leid und dem Unrecht, das Menschen geschehen ist, die in psychiatrischen Kliniken Hilfe und Heilung gesucht haben.“ Sie würdigte, dass nun ein Ort des Erinnerns und Gedenkens geschaffen worden sei. „Warum ist es wichtig, diese Orte zu haben? Weil sie uns schmerzlich bewusst machen, dass die große schreckliche Maschinerie des Mordens von vielen kleinen Rädchen angetrieben wurde.“

Mit der Nennung der Namen werde den Opfern ihre Identität zurückgegeben, sagte Unger weiter. „Sie machen uns klar, dass wir eben nicht vor einer anonymen, unvorstellbar großen Menge stehen, sondern dass es Menschen aus unserer unmittelbaren Umgebung waren, die vernichtet wurden. Dieses Bewusstsein können nur lokale Orte des Gedenkens schaffen.“

LWL-Direktor Matthias Löb betonte in seiner Rede: „Es gibt nichts zu beschönigen: Der Provinzialverband Westfalen und die Westfälischen Provinzial-Heilanstalten als Vorgänger des LWL und der heutigen LWL-Kliniken für Psychiatrie haben sich damals aktiv an Unrechtstaten beteiligt, für die wir heute kaum noch Worte finden.“

Er rief in Erinnerung, was zwischen 1940 und 1943 geschah: „1017 Patienten wurden Opfer der sogenannten Euthanasie-Velegungen. Ein Großteil wurde in der Gaskammer von Hadamar, der zentralen Tötungsanstalt für die westfälischen Patienten, ermordet. Oder die Menschen starben durch Überdosen an Medikamenten, durch Hunger, Kälte und katastrophale hygienische Verhältnisse in den Durchgangs- und Zielanstalten.“

Zur Eröffnung der Gedenkstätte gab es zwei Vorträge. Professor Dr. Bernd Walter gab eine historische Einordnung der nationalsozialistischen Euthanasie. Bernd Meißnest sprach über „Wege der Auseinandersetzung mit einem langen Schatten“.

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