Gedenktafel markiert Henzes Geburtsort
Fotos: Pieper
 Zufriedene Gesichter: (v. l.)Herbert Piepenbrock und Juliane Hiersemann freuen sich, dass gestern an ihrem Haus an der Brunnenstraße 3 in Gütersloh von Kulturdezernent Andreas Kimpel die Gedenktafel für den Komponisten Hans Werner Henze im Beisein der LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger und dem Ideengeber Professor Peter Kreutz enthüllt wurde.
Fotos: Pieper

Angebracht ist sie am schmucken Jugendstilgebäude der Familie Hiersemann-Piepenbrock an der Brunnenstraße 3 in Gütersloh.  Im Beisein von Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Kulturdezernentin des

Kulturdezernent Andreas Kimpel in Aktion. 
Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, und den ideengebenden Nachbarn Professor Peter Kreutz und seiner Frau Elke, enthüllte Kulturdezernent Andreas Kimpel die vom Gütersloher Steinmetzmeister Georg Knopp gefertigte Tafel. „Damit leisten wir einen weiteren Beitrag, um Hans Werner Henze ins Gütersloher Kulturleben zu integrieren und die Erinnerung an ihn zu pflegen“, erklärte Kimpel. 

„Wir vom Landschaftsverband sind stolz darauf, dass solch ein wegweisender Komponist wie Henze Westfale war. Wir freuen uns nicht nur über diese Würdigung, sondern auch darauf, dass der Henze-Preis am 28. Oktober im Theater Gütersloh, am Henze-Platz 1, übergeben wird“, ergänzte Rüschoff-Parzinger. 

Zweimal ist der Komponist – nachdem er als Kind mit seinen Eltern aus Gütersloh weggezogen war – noch in seinem Geburtshaus gewesen. „Das war 1986 und 1990“, erinnert sich Juliane Hiersemann, langjährige Chefin des Tabakwarengroßhandels Steinhaus. „Wir haben ihn als sehr sympathischen, bescheidenen und zurückhaltenden Menschen erlebt. Er hat viel über sein Leben in Italien erzählt. Und er konnte sich beim Blick auf die Kastanien an der Brunnenstraße noch daran erinnern, wie klein sie in seiner Kindheit gewesen sind.“ 

Juliane Hiersemann und ihr Mann Herbert Piepenbrock haben das 1905 erbaute, stuckverzierte Haus an der Brunnenstraße 1975 gekauft. „Und wir wurden gleich gewarnt, bloß nichts wegzuwerfen, was wir vielleicht unterm Dach an Kinderspielzeug finden würden. Das hätte ja von Henze sein können.“ Den Dank der Stadt, dass sie die Anbringung der Gedenkplakette ermöglicht haben, nahm das kulturaffine Paar mit einem Lächeln entgegen. Die Aktion passe zur Familiengeschichte. Schließlich war der Großvater Fritz Steinhaus als Mundartdichter „Kiek süh“ bekannt. Und dessen Bruder Erwin war als Gründer der Gütersloher Konzertagentur Steinhaus ohnehin mit der musikalischen Klassik-Prominenz vertraut. 

Für Peter Kreutz, Lied-Professor an der Detmolder Musikhochschule und Initiator der Gedenktafel, ist mit der Plakette ein langgehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Schon 2017, als die Henze-Oper „Elegie für junge Liebende“ Premiere in Gütersloh feierte, stand für ihn fest, „dass wir zur Würdigung von Henzes Bedeutung Orte brauchen, die an diesen berühmten Sohn der Stadt erinnern.“

„Das Thema ,Henze in Gütersloh‘ bleibt virulent“, betonte Kulturdezernent Andreas Kimpel in einem zu Corona-Zeiten passenden Jargon. Gemeint ist, dass nicht nur im Rahmen der für den Herbst geplanten Veranstaltungsreihe das Augenmerk auf den aus Gütersloh stammenden Komponisten  gelenkt werden soll, sondern auch 2021 Aktionen zu und mit seinen Werken Wellen schlagen werden. Kimpel nannte als Beispiel die Aufführung von Henzes Kinderoper „Pollicino“ im Rahmen des europäischen „C-City-Projeks“.

 Auch für den Landschaftsverband (LWL) bleibt Henze wichtig. Nicht von ungefähr, so erläuterte dessen Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff, habe man den mit 12 800 Euro dotierten, alle sechs Jahre vergebenen Westfälischen Musikpreis 2011 in Henze-Preis umbenannt. Dass er nun, im 60. Jahr seines Bestehens, am Mittwoch, 28. Oktober, im Theater Gütersloh, am Hans-Werner-Henze-Platz 1, verliehen werde, sei der richtige Anlass am richtigen Ort.

Der Komponist Robin Hoffmann bekommt am 28. Oktover den Henze-Preis. 
 Erhalten wird ihn der 50-jährige, aus Gadderbaum stammende, in Frankfurt lebende Komponist Robin Hoffmann. „Ein interdisziplinär denkender Grenzgänger wie Henze“, so Rüschoff-Parzinger. Beider Musik sei facettenreich und experimentell. Und nie hätten sie sich vor einem Crossover mit Film und Theater gescheut. Beiden sei es stets darum gegangen, zu erforschen, „wie Musik unser Leben beeinflusst“. Davon kann man sich bei der Preisverleihung am 28. Oktober ab 18 Uhr überzeugen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung per E-Mail an info@kultur-räume-gt.de ist erforderlich.

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