Gemeinde diskutiert Zukunft der Kirchen
Bild: Dinkels
Die Evangeliumskirche an der Straße Auf der Benkert stand schon vor zehn Jahren zur Disposition. Sie steht unter Denkmalschutz. Dort finden nach wie vor Gottesdienste statt.
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Die Evangeliumskirche und die Kirche Zum Guten Hirten samt angrenzendem Gemeindehaus wie bisher zu betreiben, sei nicht möglich, betont Pfarrer Eckhard Heidemann. Die Finanzkraft der Evangelischen Kirche werde sich auch in Gütersloh in den kommenden Jahren deutlich reduzieren. Die Einnahmen durch Kirchensteuern verringerten sich. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben etwa durch höhere Personalkosten.

Sechs statt neun Pfarrstellen bis 2029

Die Pfarrstellen in Gütersloh würden bis 2029 von neun auf sechs reduziert, indem bei Pensionierungen die Stellen nicht wieder besetzt würden. Deshalb müssten jetzt Entscheidungen getroffen werden, wie mit dem Gebäudebestand umzugehen sei. Für die Region Nord gibt es drei Möglichkeiten.

In einer Versammlung in der Kirche Zum Guten Hirten stellten Pfarrer Eckhard Heidemann als Vorsitzender des Presbyteriums und Kirchmeister Friedhelm Reichelt sie am Sonntag vor. „Die Dortmunder Architektin Imke Sass hat eine Strukturanalyse für die Region Nord erstellt“, erläutert Heidemann im Gespräch mit der „Glocke“.

Ihr erster Vorschlag: Die Evangeliumskirche – die unter Denkmalschutz steht – behalten und auf dem Grundstück ein neues Gemeindehaus bauen. Das alte sei vor Jahren abgerissen worden, weil die Substanz marode gewesen sei, erklärt Heidemann. Für die Kirche Zum Guten Hirten an der Kahlertstraße könne sich Sass vorstellen, eine Mitteldecke einzuziehen und kleine, seniorengerechte Wohnungen einzubauen.

„Das soll kein Altenheim werden“, betont Heidemann. Und für dieses Projekt müsse ein Investor gefunden werden. Die Kirchengemeinde wolle es nicht realisieren. Die Anmutung der Kirche samt Turm könne bei diesem Vorschlag erhalten bleiben. Das Gemeindehaus dort würde bei einer Entscheidung für diese Variante abgerissen. Auf der frei werdenden Fläche könnte ein neues Gebäude zum Beispiel für eine Tagespflege errichtet werden.

Der zweite Vorschlag der Architektin: Den Standort Zum Guten Hirten behalten und die Evangeliumskirche Auf der Benkert aufgeben. Was dann mit der Kirche geschehe, sei noch nicht abzusehen, sagt Heidemann. Bereits vor mehr als zehn Jahren sei der Entschluss gefasst worden, sie zu verkaufen oder umzuwidmen. Es habe einige Ideen gegeben, so Heidemann. Aber keine sei überzeugend gewesen. „Auch wenn ein Gebäude unter Denkmalschutz steht, ist es nicht unmöglich, es abzureißen, wenn sich gar keine Nutzungsmöglichkeit mehr ergibt“, sagt Heidemann.

Zeitplan steht noch nicht fest

Der dritte Vorschlag für die Zukunft in der Region kombiniert die Evangeliumskirche als Gotteshaus mit dem Gemeindehaus Zum Guten Hirten. „Die Evangeliumskirche stünde weiter für Gottesdienste zur Verfügung. In der Wand hinten rechts gibt es schon eine Sollbruchstelle. Dort könnte ein kleiner Gemeindesaal angesetzt werden“, erläutert Heidemann.

Das Gemeindehaus an der Austernbrede würde saniert und stünde für die Gemeindearbeit in der Woche weiterhin zur Verfügung. In die Kirche Zum Guten Hirten könnten wie beim ersten Vorschlag Seniorenwohnungen integriert werden.

„Die Reaktion auf die Vorschläge ist unspektakulär“, sagt Heidemann. Es sei aber auch nicht neu, dass Veränderungen notwendig seien. Die Gemeindeglieder hätten jetzt die Gelegenheit, über die Vorschläge nachzudenken und sich auszutauschen.

Anfang kommenden Jahres soll es eine weitere Versammlung geben, in der es erste konkrete Vorschläge geben soll, erläutert der Vorsitzende des Presbyteriums. Bis April sollte das Gremium dann wissen, welche Möglichkeit sich die evangelischen Christen der Region Nord vorstellen können. Einen festen Termin, bis wann eine endgültige Entscheidung gefällt werden müsse, gebe es nicht, betont Heidemann. Es stehe auch noch nicht fest, ab wann eine der drei Möglichkeiten umgesetzt werde.

Presbyterium wird verkleinert

Die Evangelische Kirchengemeinde Gütersloh will die Mitgliederzahl des Presbyteriums verringern. Bisher wurden pro Pfarrstelle vier Presbyter gewählt. Bei neun Pfarrstellen sind das 36 Presbyter. Die Kirchenordnung schreibt vor, dass die Vertreter im Gremium nach der Anzahl der Gemeindeglieder gewählt werden – pro 1000 Gemeindeglieder ein Presbyter.

Für Gütersloh bedeute das, dass mindestens 16 Presbyter gewählt werden müssten, so Pfarrer Heidemann, Vorsitzender des Gremiums. Weil das eine zu große Spanne zur heutigen Besetzung sei, sollen 2020 25 Presbyter gewählt werden. Die Wahl findet am 1. März 2020 statt. Am Volkstrauertag (17. November) findet eine Versammlung statt, in der die Bewerber vorgestellt werden.

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