Gemeinwohl gehört zum Betriebskonzept
Bild: Scheffler
Weg mit der Plastikverpackung: Projektmanagerin Inka Otto und Geschäftsführer Reinhard Maas sind überzeugt davon, dass sie in puncto Gemeinwohl den richtigen Weg beschreiten.  Bild: Scheffler
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Schon im Jahr 1985, als aus der Keimzelle „Die Wickelkiste“ das Unternehmen Maas Natur entstand, stand der ökologische Gedanke im Vordergrund. Eine Idee, die mit dem Wachstum des Betriebs auf nunmehr zwölf Geschäfte von Oldenburg bis nach Konstanz konsequent weiterverfolgt wurde.

„Schließlich müssen wir nachdenken, wie es in 50 Jahren noch funktionieren kann“, sagt Reinhard Maas und handelt, statt in grauen Theorien stecken zu bleiben. So verschickt Maas Natur seine Kleidungsstücke seit der vorigen Saison ohne Plastikverpackung, sondern allein durch Banderolen oder Baumwollbänder zusammengeschnürt. „Wer den ersten Schritt macht, kann sich auch vertun, aber wir vertun uns nicht“, ist der 63-jährige Chef von der Marschroute überzeugt.

Inka Otto kam vor einem Dreivierteljahr zu Maas Natur. Als erste Aufgabe wartete auf die 28-jährige Projektmanagerin, die Gemeinwohl-Bilanz einzustielen. Das geschah in Zusammenarbeit mit Studenten der Sozialwissenschaft von der Fachhochschule Bielefeld. In Workshops, Interviews und dem Abarbeiten eines Fragenkatalogs wurde zusammen mit zwei anderen kleineren Firmen und einem Dorfladen an der Gemeinwohl-Bilanz 2017 gefeilt.

Maas Naturwaren vertreibt ein Vollsortiment an Naturtextilien wie Damen-, Herren-, Baby- und Kinderbekleidung, Wäsche und Strümpfe. Hinzu kommen Deko- und Geschenkartikel sowie Wohnaccessoires und Schuhe. 70 Prozent der Kollektion machen Artikel für Frauen aus. Frauen bilden auch den Löwenanteil der Belegschaft. 97 Prozent der 190 Angestellten sind weiblich. 60 Prozent der Waren werden über das Internet oder den Katalog bestellt. 40 Prozent werden in den Geschäften gekauft. Das zwölfte wird Reinhard Maas am morgigen Donnerstag in Freiburg eröffnen. Druck, schnell zu wachsen, verspürt der Chef nicht: „Wir sind ein Familienbetrieb und können abwarten.“ Der Umsatz von Maas Natur betrug im vorigen Jahr 18 Millionen Euro. Die Firma gibt jährlich zwei Kollektionen heraus und beschäftigt vier eigene Designer. 90 Prozent der Strickwaren werden in Gütersloh und Verl hergestellt.

„Das Konzept fußt auf vier Säulen“, erklärt Inka Otto. „Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitentscheidung.“ Als betroffene Gruppen wurden Lieferanten, Eigentümer, Mitarbeiter, Kunden und die Gesellschaft einbezogen. Zum Abschluss des Projekts bewertete ein unabhängiger Zertifizierer, ein sogenannter Auditor, die auf 50 Seiten gesammelten Ergebnisse. Von 1000 möglichen Punkten erhielt das Gütersloher Unternehmen 577 – ein achtbares Ergebnis.

Zu einer nachhaltigen und menschenwürdigen Wirtschaftsweise gehören für Reinhard Maas auch die Bedingungen der Produktion. Sechs Firmen in der Türkei stellen für Maas Natur Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern her. Zweimal im Jahr gebe es eine Qualitätskontrolle. Maas: „Wir wollen ein gutes Gewissen haben, wie dort produziert wird.“ Klar ist den Verantwortlichen aber auch, dass die Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung erst am Anfang steht. Überzeugungsarbeit sei nach wie vor zu leisten.

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