Genossen fordern Sarrazins Ausschluss
Die Gütersloher SPD distanziert sich von Thilo Sarrazin.

„Wir haben kein Verständnis dafür, dass er in der SPD verbleiben darf“, heißt es darin. Damit schließen sich die Gütersloher der parteiinternen Kritik am Ausgang des Verfahrens im April an. Sarrazins Thesen, die er in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ geäußert hat, kollidierten mit „Grundwerten wie der Menschenwürde und der Chancengleichheit aller Menschen und widersprechen den politischen Zielen, aber auch den Errungenschaften der SPD seit fast 150 Jahren“, heißt es in dem Brief.

Die Erklärung des 66-Jährigen, mit der er den Ausschluss abgewendet hatte, „reicht keineswegs aus, um diese Kollision ungeschehen zu machen. Sie ist in unseren Augen völlig unglaubwürdig und halbherzig.“

Durch seine „skurrilen Thesen“ habe Sarrazin die „sensible Integrationsarbeit unserer Partei gefährdet“. Statt sich deutlich gegen jede Art von Rassismus zu wenden, wählten die Schiedskommission und die Parteispitze „den Weg der Inkonsequenz“.

Die SPD sei immer für eine offene, gerechte und demokratische Gesellschaft eingetreten. Auch die Gütersloher SPD stehe für eine moderne Einwanderungsgesellschaft. Die ethnische oder soziale Herkunft eines Menschen dürfe nicht über seine Zukunftschancen entscheiden. In der Gütersloher SPD werde zudem kulturelle Vielfalt gelebt.

Genossen mit einem türkischen, aramäischen, russischen, chinesischen und griechischen Hintergrund prägten die Partei. „Diesen multikulturellen Hintergrund droht Sarrazin mit seinen fremdenfeindlichen Äußerungen zu beschädigen.“ Das ließen sich die Gütersloher Sozialdemokraten nicht gefallen.

Der Brief ist vom Stadtverbandschef Thomas Ostermann, den Vorsitzenden der Ortsvereine Gütersloh und Avenwedde-Friedrichsdorf, Ann Katrin Brambrink und Clemens Offel, sowie den Vorsitzenden der Jusos in Stadt und Kreis, Felix Eggersglüß und Dennis Selent, unterzeichnet. Sarrazin empfehlen sie: „Treten Sie freiwillig aus.“

Sorgen machen sich die Sozialdemokraten um ihre Mitglieder. Viele stellten sich die Frage, ob sie sich mit den Grundwerten ihrer Partei noch identifizieren könnten. Die Absender des Briefs appellieren an die Genossen, sich darauf zu besinnen, dass die SPD mehr sei als eine Meinungsäußerung von Sarrazin. In der langen Geschichte der Partei habe es immer wieder gegolten, „abwegige Einzelmeinungen auszuhalten“. Werte wie soziale Gerechtigkeit, Demokratie, gemeinschaftliches Engagement und Solidarität würden sich nach wie vor durchsetzen, heißt es weiter.

In seinem im August vorigen Jahres bei der zu Bertelsmann gehörenden Deutschen Verlagsanstalt (DVA) erschienenen Buch „Deutschland schafft sich ab“ formuliert Sarrazin Thesen, wie sich Geburtenrückgang und Migration auf Deutschland auswirken. In der Folge hatte er, um einem Rauswurf zuvorzukommen, seinen Posten als Bundesbank-Vorstand niedergelegt.

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