Genscher hält Plädoyer für Europa
Bild: Dinkels
War schon oft in Gütersloh, zuletzt beim Landesparteitag der FDP im Mai vorigen Jahres: Hans-Dietrich Genscher, dessen Schwiegersohn aus Oelde stammt, wie immer im gelben Pullover.
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Der damalige Bundesaußenminister und heutige Ehrenvorsitzende der FDP hat am Montag beim Sparkassen-Gespräch in der Stadthalle ein flammendes Plädoyer für Europa gehalten. „Europa, das sind wir“, sagte der 85-Jährige. „Wenn in Europa etwas schiefläuft, dann haben wir mitgewirkt“ – womit er die Deutschen meinte.

Der Liberale, der Geschichte mit geschrieben hat, beschäftigte sich mit dem Thema Globalisierung und spannte dabei den Bogen vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Hypothekenkrise in den USA („deren Auswirkungen haben bis nach Gütersloh durchgeschlagen“). Europa habe gezeigt, dass man aus Fehlern der Geschichte lernen und gemeinsam etwas erreichen könne, sagte Genscher.

1989 hätten auch die Prager gehofft, dass die ostdeutschen Flüchtlinge ausreisen dürften, weil sie gewusst hätten, dass sich damit auch ihre Zukunft ändern würde und sie selbst bestimmen könnten, erklärte Genscher, lange Zeit einer der einflussreichsten Politiker in Europa.

Der Liberale, von Haus aus Jurist, beschrieb eine instabile Welt. „Der Tag, an dem die Amerikaner nicht mehr das stärkste Land sind, könnte näher sein, als vielen lieb ist“, sagte der frühere Außenminister. Es gelte, eine neue Weltordnung zu bauen, mit der alle Regionen der Welt leben könnten.

Ganz kurz, als Genscher heraufbeschwor, was Deutschland als rohstoffarmes Land am dringendsten brauche, trat der Staatsmann in den Hintergrund und der Politiker in ihm wurde lebendig: „Bildung, Bildung und nochmals Bildung“, trichterte er den fast 800 angemeldeten Gästen der Sparkasse stimmgewaltig ein, gerade so, als stehe er mitten im Wahlkampf.

Zuvor hatte Genscher in kleiner Runde erklärt, die Chancen der FDP bei der Bundestagswahl im September „werden besser sein, als viele denken“. Die jüngsten Landtagswahlen hätten gezeigt, dass die FDP ein Potenzial habe, und mit dem zurückliegenden Parteitag in Berlin sei es gelungen, dieses zu aktivieren. Es werde reichen, um die gegenwärtige Koalition aus CDU, CSU und FDP fortsetzen zu können. Wie oft er selbst zum Hörer gegriffen hat, um seinen Parteifreunden die Leviten zu lesen, wollte der Liberale allerdings nicht verraten.

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