Gilad Atzmon: Jazz als Botschaft
Bild: Klostermeier
Der israelische Saxofonist Gilad Atzmon gab seine Visitenkarte beim „Jazz in Gütersloh“ ab.
Bild: Klostermeier

 Gilad Atzmon ist ein politischer Musiker und Literat, der den Jazz als „eine innovative Form des Widerstands“ begreift: Nach einem Einsatz im Libanonkrieg 1982 begann sich sein Blick auf die Politik Israels, das Atzmon als Kolonialmacht bezeichnet, zu verändern. Aus diesem Grund ist es beispielsweise im vergangenen Jahr bei einem Auftritt des Saxofonisten beim Jazzfestival in Göttingen zu Protesten gekommen.

Im Gütersloher Theater ging es aber nur am Rande um Politik, die Musik stand im Mittelpunkt. Sehr gute, bisweilen mitreißende Musik, bei der sich Atzmon an der Klarinette, am Sopran- und vor allem am Altsaxofon als Virtuose erwies. Sein Publikum wusste er zudem durch musikalische Zitate und launig-lakonische Ansagen zu unterhalten. Atzmon lebt seit 1994 in London, wo er 2000 das Orient House Ensemble gründete. Allein der Name der Band ist schon ein politisches Statement, da er an das frühere PLO-Hauptquartier in Ost-Jerusalem erinnert und Atzmons Wunsch nach einem gesamtpalästinensischem Staat Ausdruck verleiht. Außer dem Bandleader gehören Kontrabassist Yaron Stavi, Pianist Frank Harrison und Schlagzeuger Eddie Hick zu dem Quartett.

Gilad Atzmon eröffnete das Konzert als Klarinettist mit einer lyrischen Hommage an Paris. Dafür verwob er die Melodie des Piaf-Chansons „La vie en rose“ mit Klezmer-Einflüssen. Mit „The Tide Has Changed“ folgte das Titelstück seines neuen Albums: Der Bandleader drückte nun am Altsaxofon ordentlich aufs Tempo und arbeitete sich in den nächsten Minuten am einprägsamen Thema des Stücks ab, was vor allem für die eingefleischten Jazzfans ein absoluter Hochgenuss war.

 Aber auch danach blieb es abwechslungsreich: Atzmons Version von Maurice Ravels „Bolero“ folgte eine gelungene Interpretation des englischen Traditionals „Scarborough Fair“. Für beide Stücke griff Atzmon zum Sopransaxofon und präsentierte sich auch am dritten Holzblasinstrument als inspirierter Virtuose.

 Mit dem dissonanten Stück „London To Gaza“ wurde es noch einmal politisch. Doch schon bei der Zugabe zeigte sich Atzmon wieder als Optimist und intonierte eine – zugegebenermaßen etwas schräge – Version von Louis Armstrongs Klassiker „What A Wonderful World.„

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