Griechen wollen in der Eurozone bleiben
Bild: Dinkels
Zwei Generationen, zwei Meinungen: Zois Tasopoulos (28) und Nikolaos Panagiotopoulos (66) diskutieren im Zentrum der Griechischen Gemeinde. Beide wollen, dass Griechenland in der Eurozone bleibt und blicken mit Sorge dem Sondergipfel entgegen.
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Und alle fürchten den Grexit.

Den Ausgang des Referendums hat der 66-Jährige am Sonntag mit Freunden im Zentrum der Griechischen Gemeinde an der Bismarckstraße verfolgt. Am Tag darauf breitet er zum Gespräch mit der „Glocke“ auf den Tischen Zeitungsartikel aus, die vom guten Verhältnis der hiesigen Griechen mit ihren Nachbarn zeugen. Die Bürgermeisterin, der Landrat, Abgeordnete, Ministerpräsidenten – alle waren sie schon an der Bismarckstraße zu Gast und wurden herzlich empfangen. Der Vorsitzende möchte, dass das auch so bleibt.

Wäre Panagiotopoulos am Sonntag in Griechenland gewesen, er hätte nach eigenen Worten mit Nein gestimmt: „Fünf Jahre Sparmaßnahmen waren zuviel für die Griechen, dagegen sind viele aufgestanden“, erklärt er den Ausgang des Referendums. Die fünf Jahre hätten nichts gebracht, und wenn es jetzt so weitergehe, sei der Erfolg gleich null.

Alle Experten sagten, ohne einen Schuldenschnitt gehe es nicht, so Panagiotopoulos. Das Geld lande ohnehin nur bei den Banken. Es müssten jetzt neue Vorschläge auf den Tisch, vor allem von griechischer Seite. Insofern sei es gut, dass Ministerpräsident Alexis Tsipras am Montag alle Parteien zusammengeholt habe. Auch wenn die Mehrheit mit Nein gestimmt habe, sei doch eine noch größere Mehrheit aller Griechen gegen den Grexit.

„Wir hoffen, dass Griechenland in der Eurozone bleibt“, sagt der Vorsitzende. Und dass dies „nicht auf Kosten anderer Länder“ gehen dürfe. „Wir dürfen nicht als Bettler dastehen. Wir sind ein stolzes Volk“, sagt Panagiotopoulos. Wie das gehen soll, weiß er nicht. Dafür lässt der 66-Jährige keinen Zweifel daran, dass er die Schuld für die Misere bei den griechischen Regierungen sehe.

Nach Angaben des Vorsitzenden gibt es auch unter den Griechen im Kreis verschiedene Meinungen. Einer, der nach eigenen Worten mit Ja gestimmt hätte, ist Zois Tasopoulos. Der 28-jährige Ingenieur lebt seit drei Monaten in Gütersloh und lernt Deutsch. Er gehört zur Generation gut ausgebildeter junger Griechen, die in Hellas keine Perspektive sieht. Mangelndes Vertrauen in die Regierung nennt Tasopoulos als Motiv für sein Ja. Den Ausgang des Referendums erklärt er mit dem Werben unbeliebter Ex-Politiker wie dem früheren Ministerpräsidenten Kostas Karamanlis für die Ja-Seite. Das habe einen Stimmungsumschwung bewirkt.

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