Güterbahnhof verschwindet Zug um Zug
Bild: Dinkels
Mit mächtigen Greifern rücken die Bagger dem Dach über den Gleisanlagen zu Leibe. Stück für Stück wird es abgetragen. Bis zum 19. Juni sollen die Gleisanlagen frei sein.
Bild: Dinkels

Bei der Firma Hagedorn heißt das „Rückbau“. Mit ersten vorbereitenden Maßnahmen wurde am Dienstag vergangener Woche begonnen. So mussten Bahnsteige zwischen den Gleisen 11 und 13 verschwinden, damit die Großgeräte dort Platz haben und richtig zupacken können. Die Bagger verrichten seit Freitag ihr Werk, und die Fortschritte sind beim Ortstermin am Dienstag bereits deutlich zu sehen.

Der Abbruch bringt nach Angaben von Mirco Greitemeier, Projektleiter Abbruch bei der Unternehmensgruppe Hagedorn, einige Besonderheiten mit sich. „Wir müssen die Gleise schützen, damit das Gleisbett nicht verunreinigt oder beschädigt wird“, sagt der 29-Jährige. Jeden Morgen wird es deshalb abgedeckt und am Abend wieder freigeräumt. Es besteht die Möglichkeit, dass dort nachts Güterzüge entlangfahren. Tagsüber werden sie auf andere Gleise umgeleitet.

Die Mitarbeiter der Abbruchfirma arbeiten sich von Ost nach West und von den Gleisen zum Langen Weg vor. Zuerst wird das Überdach Stück für Stück abgetragen. Bis zum 19. Juni will Hagedorn alle Bauten beseitigt haben, die sich im Bereich der Gleise befinden. Dann werde Zug um Zug auch das Gebäude abgerissen, so Greitemeier. Bis Ende Juli wolle man mit allem fertig sein. „Bisher läuft alles nach Plan“, berichtet der Projektleiter.

Einschließlich des schon im März abgerissenen Zollgebäudes fielen zwischen 10 000 und 15 000 Tonnen Bauschutt an. Hinzu kämen wohl mehr als 300 Tonnen Metall etwa aus den Überdachungen, so Greitemeier. Das gesamte Material werde zum Gütersloher Wertstoffzentrum (GWG) an der Osnabrücker Landstraße gefahren und dort recycelt oder entsorgt. Bisher sei eine Zerkleinerung des Bauschutts an Ort und Stelle nicht vorgesehen, sagte Greitemeier.

Das alte Pflaster vor dem Abfertigungsgebäude war bereits vor dem Abriss aufgenommen und veräußert worden. Was jetzt noch liegt, etwa an der Einmündung Langer Weg, soll in die künftigen Parkflächen des Neubauprojekts Gleis 13 integriert werden.

Aus der Ferne betrachtet wirken die Schwenkbewegungen der Abrissbagger wie eine ausklügelte Choreographie. Aufpasser an den Gleisen geben Acht, dass sich kein Unbefugter der Baustelle oder den Gleisen nähert. Die Mitarbeiter tragen Warnwesten und Helme.

Der Güterschuppen war 1932 errichtet worden. Das Bürogebäude davor ist jüngeren Datums. 1997 stellte die Bahn den Betrieb auf dem Gelände ein. Das Zollamt zog 1999 zum Lupinenweg.

Bebauung ab Ende des Jahres

Ab Ende des Jahres soll das Gelände wieder mit einem ersten Baukörper bebaut werden. „Wir befinden uns noch im Freistellungsverfahren mit der Bahn“, sagte Rick Mädel, Geschäftsführer von Hagedorn Revital, bei dem die Fäden zusammenlaufen. Sobald die Freistellung erfolgt sei, sollen mit der Stadt die Bauanträge abgestimmt werden.

Wie berichtet, soll mit dem östlichen von insgesamt vier Gebäuden unter dem Projekttitel Gleis 13 begonnen werden. Dort soll ein Fitnesscenter einziehen. Favorisierter Betreiber ist nach wie vor die Essener Kette Fit X. „Wir sind guter Dinge, dass es Ende des Jahres losgehen kann, sagte Mädel. Vorgesehen ist, dass die Qualität des überaus modernen Gebäudes in einem städtebaulichen Vertrag festgeschrieben wird. Weil der in Arbeit befindliche Bebauungsplan erst später fertig werden wird, soll das erste der insgesamt vier Gebäude am Güterbahnhof über Paragraf 34 Baugesetzbuch (Zulässigkeit von Bauvorhaben in bebauten Ortsteilen) genehmigt werden.

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