Gütersloh macht unter Maisonne Dampf
Bild: Dünhölter
Die Lokomotive „993318“ präsentierten bei Mühlenstroth am Postdamm stolz Ole Hauernherm (links) und Florian Rauh.
Bild: Dünhölter

Bei herrlichen Frühlingstemperaturen ließ es sich in einem der sonnensicheren Freiluft-Abteile gut aushalten. Wie in jedem Jahr startete auch der Dampf-Kleinbahn-Betrieb bei Mühlenstroth am Postdamm in die Fahrsaison – die 43. bereits. Als mit zwei Ästen besonders schick herausgeputzter heimlicher Star durfte dabei im Rahmen der Premierenfahrt die Lokomotive „993318“ erstmalig weißen Rauch in den strahlend blauen Himmel pusten. Die im Jahr 1919 in der Lokfabrik Borsig in Berlin gebaute Lokomotive war von den Vereinsmitgliedern der Dampf-Kleinbahn anlässlich des 125-jährigen Geburtstags der Waldeisenbahn Muskau (nahe der polnischen Grenze) im Jahr 2015 nach 24 Jahren Stillstand in mehr als 2000 Arbeitsstunden mühevoll restauriert worden. Florian Rauh vom Vorstand über die Besonderheit: „Bei der Lok handelt es sich immerhin um eine echte DDR-Staatsbahnlokomotive, die bis 1974 auf der Muskauer Waldeisenbahn in der Lausitz im Einsatz stand. Darum steht an der Seite auch der Schriftzug Deutsche Reichsbahn.“

Um Bewegung drehte es sich auch bei zwei anderen extrem beliebten Ausflugszielen. In den Mittagsstunden erlebten das Parkbad und der Kiebitzhof regelrechte Radfahrer-Invasionen. Im Parkbad schipperten dabei die vom MSC Nautilus eingeladenen Gastvereine mit ihren Modellbooten idyllisch über die einsame Wasserfläche. Die Ausflügler machten es sich unterdessen auf den Bänken in der lang vermissten Frühlingssonne bequem.

Spektalulärer ging es am Kiebitzhof zu. Das Sozialpädagogische Institut (SPI) lud Menschen ohne Handicap zum kostenlosen Ausprobieren des im Juni eröffneten Integrativen Klettergartens ein. Vorstand Hergen Bruns: „Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, um Inklusion ausprobieren zu können. Nur so kann man zeigen, wie es ist, mit Menschen mit Handicap zu arbeiten.“ Dank Unterstützung der Aktion Mensch sowie unter fachkundiger Anleitung der Kletterpark-Mitarbeiter konnten Freiwillige erleben, wie es ist, sich mit einem Rollstuhl rückwärts von der fünf Meter hohen Abseilrampe in die Tiefe zu bewegen. Diese Rampe sei extra für den Klettergarten entwickelt worden, so Bruns. „Die ist weltweit einmalig.“

Bea wagt Experiment

Als eine von vielen Mutigen wagte die 11-Jährige Bea das ungewöhliche Experiment. Zentimeter für Zentimeter ging es erst in die 90-Grad-Rückenlage und dann vorsichtig weiter in die auffangbereiten Arme von Helfer Ralf Hustert (56). Während Beas Mutter am Boden nur staunend einräumte: „Das würde ich mich nicht trauen“, fasste ihre Tochter zusammen: „Das war komisch und hat ein bisschen in den Beinen gekribbelt“.

Zirka anderthalb bis zwei Kilometer vom Kiebitzhof entfernt, ging es um etwas anderes. Wie in jedem Jahr verwandelten einige hundert jugendliche Schüler die Dalkeauen am Paul-Westerflörke-Weg zwischen der Brücke Fritz-Blank-Straße und der Straße Am Füchtei samt mitgebrachter Getränke und Ghettoblastern in eine riesige Party- und Chill-Arena. Von dort aus ging es später – passend eingestimmt – zu den Wapel-Beats ins beliebte Freiluftbad.

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