Gütersloher Frauenärztin hilft im Himalaya
Hilfe zur Selbsthilfe: (v. l.) Schwester Roshu und Dr. Rojina Shilpakar lernen von der Gütersloher Frauenärztin Nicole Sigrist den Gebrauch des Ultraschallgeräts.

Die Gynäkologin opferte laut einer Mitteilung des Klinikums drei Wochen ihres Urlaubs, um sich ehrenamtlich für die Deutsch-Nepalische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in Südasien und Interplast Germany einzusetzen. „Die Nepalesen sind sehr herzlich und gastfreundlich, ich habe wirklich sehr gern geholfen“, sagt Sigrist.

Gemeinsam mit einem fünfköpfigen Team war sie am Sushma Koirala Memorial Hospital in Sankhu/ Kathmandu in Nepal, um dort Frauen mit Inkontinenz und Gebärmuttersenkungen zu behandeln. Das Krankenhaus baut auf Initiative von Dr. Bernhard Uhl, Chefarzt der Frauenklinik am St.-Vinzenz-Hospital Dinslaken, seit einem Jahr diesen speziellen gynäkologischen Bereich auf. Mittlerweile reisen regelmäßig deutsche Ärzte-Teams dorthin und unterweisen die einheimischen Ärzte in Hygienemaßnahmen und modernen Operationstechniken wie Beckenbodenrekonstruktionen und Inkontinenztherapie.

Die Hilfe zur Selbsthilfe steht dabei im Vordergrund. „Durch das gynäkologische Projekt haben die Patientinnen endlich die Chance auf eine adäquate medizinische Versorgung“, sagt Nicole Sigrist, die dringend benötigte Medikamente als Spende aus dem Klinikum Gütersloh mitgebracht hatte.

 Schon in sehr jungen Jahren würden die nepalesischen Frauen schwer körperlich arbeiten und Kinder bekommen. Das wirke sich negativ auf den Beckenboden aus. Gebärmuttervorfälle und Inkontinenz seien die Folge. „Häufig kann dann nur eine Operation helfen, die das Gewebe stützt und anhebt“, erklärt die Gynäkologin.

Die Bilanz der dreiwöchigen Hilfsaktion im Himalaya ist durchweg positiv: Insgesamt konnten 44 Frauen mit einer Operation geholfen und 130 Besucherinnen der Krankenhausambulanz versorgt werden. Die einheimischen Ärzte haben außerdem eine intensive Schulung in endoskopischen Operationsverfahren mit Schlüssellochtechnik erhalten, da Dank einer Firmen-Spende jetzt auch ein Laparoskopieturm und das notwendige Instrumentarium im Hospital zur Verfügung steht.
Viele der betroffenen Frauen haben jedoch nicht die Möglichkeit, aus den Bergdörfern zur Behandlung ins Hospital zu kommen. Daher verbrachte das deutsche Ärzteteam auch fünf Tage in einem Bergcamp im Himalaya – eine ganz spezielle Erfahrung, die Sigrist nicht missen möchte: Unter den gegebenen einfachen Bedingungen wurde dort in kürzester Zeit ein kahler Raum in ein gepflegtes Untersuchungszimmer mit Ultraschallgerät verwandelt. Sichtschutz wurde mit Bettlaken auf Leinen hergestellt, zwei Schreibtische dienten als Untersuchungsliegen. Das Wartezimmer und das Sekretariat richtete das örtliche Organisationsteam auf dem Platz vor dem Gebäude ein.

Eine Operation konnten die Ärzte dort jedoch nicht durchführen. Dafür wurden die Frauen mit einem Bus abgeholt und ins SKM-Hospital gebracht. Am Ende hat das Team um Nicole Sigrist 200 Frauen allein aus dem Bergcamp gynäkologisch untersucht, betreut und beraten. „Mich haben die Erlebnisse in Nepal sehr berührt, ich sehe dadurch meinen Alltag in Deutschland viel gelassener“, resümiert Nicole Sigrist. Wenn sich die Möglichkeit bietet, wird sie bald wieder nach Nepal reisen, um zu helfen.

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