Gütersloher in Avignon im Gefängnis
Bild: Dinkels
Vertritt den in Frankreich Inhaftierten: Rechtsanwalt Dr. Peter Oberwetter aus Gütersloh.
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Der Gütersloher Rechtsanwalt Dr. Peter Oberwetter setzt nun, nachdem ihn die Eltern des Inhaftierten um Hilfe gebeten haben, alles daran, seinen 30-jährigen Mandanten zurück nach Deutschland zu holen.

Dass etwas mit dem in Verl geborenen Mann, der bei Claas in Harsewinkel als Industriemeister angestellt war, nicht stimmte, zeigte sich erstmals in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres. Nach dem Kauf einer Eigentumswohnung gründete er – immer noch angestellt beim Landmaschinenunternehmen – eine GmbH und kaufte teure Maschinen, wofür er sich stark verschuldete. Es folgte eine Reihe von Ereignissen, die Oberwetter als „skurril“ bezeichnet und auf eine bipolare Störung seines Mandanten hindeute – eine Diagnose, die im Dezember Ärzte in Belgien stellten.

Bipolare Störungen oder manisch-depressive Erkrankungen zeichnen sich durch ausgeprägte Schwankungen im Antrieb, im Denken und in der Stimmungslage eines Menschen aus. So durchleben Erkrankte depressive Phasen und Phasen euphorischer oder ungewöhnlich gereizter Stimmung.

30-Jähriger entwendet Gefahrguttransporter

Am 11. Dezember fuhr der Gütersloher nach Belgien. Dort war er in einen Verkehrsunfall verwickelt. Außerdem soll er in Lüttich ein Paket abgelegt und abgewartet haben, wie lange die Polizei für ihr Erscheinen benötigt. Später entwendete der gestörte Mann einen Gefahrguttransporter und fuhr mehrere Kilometer auf den Felgen, nachdem die Polizei die Reifen zerstört hatte. Es folgte die Festnahme und die Verlegung in eine psychiatrische Klinik.

Von dort floh der 30-Jährige nur mit einem Schlafanzug bekleidet und schlug sich bis nach Trier durch. Kurz schien es so, als sollte die Odyssee ein Ende nehmen, als die Caritas dem Gütersloher ein Bahnticket nach Hause übergab. Dorthin fuhr er zwar, blieb aber nur fünf Tage, um sich dann aus Paris und wenig später aus Monaco telefonisch bei seinen Eltern zu melden. Die meldeten ihren Sohn allerdings als vermisst, als sie anschließend keinen Kontakt mehr hatten.

Erst im Januar erfuhren die Eltern dank der Vermittlung der deutschen Botschaft in Paris und des Generalkonsulats in Marseille, dass ihr Sohn ins Untersuchungsgefängnis nach Avignon gebracht worden war. Der Grund: Er hatte am 27. Dezember ein Auto gestohlen.

Klage am Arbeitsgericht

In Avignon erfolgte ein weiteres psychiatrisches Gutachten. In dem sei dem Gütersloher volle Schuldfähigkeit attestiert worden, berichtet Rechtsanwalt Oberwetter, der vermutet, dass der französischen Justiz die in Belgien erstellte Diagnose nicht bekannt sei. In die Psychiatrie kam der 30-Jährige trotzdem, denn zunächst habe er seine Zelle demoliert und sechs Tage später versucht, sie in Brand zu setzen. Als er dann noch aus dem dritten Stock der Klinik in einen Baum gesprungen sei, kam es zur Verurteilung im Schnellverfahren.

Inzwischen haben die Eltern einen Deutsch sprechenden Anwalt in Marseille gefunden, der sich um ihren Sohn kümmern will. Der habe im Übrigen im jüngsten Telefonat keine Auffälligkeiten gezeigt, so Oberwetter. Er selbst habe die Vollmacht, für den 30-Jährigen aktiv zu werden. „Aber das Problem ist, dass wir nicht ohne Weiteres in Frankreich anwaltlich arbeiten können.“ Es gelte zu klären, ob sein Mandant die Strafe in Deutschland absitzen könne, so der Jurist. Denkbar sei auch, dass er nach Hälfte der Strafzeit abgeschoben werden könnte. Den Antrag müsste der Häftling indes selbst stellen. Was allerdings infolge der Vorfälle in Belgien noch drohen könnte, ist für Rechtsanwalt Oberwetter eine andere Frage.

Zunächst aber vertritt er seinen Mandanten am Arbeitsgericht in Bielefeld. Denn gegen die von Claas ausgesprochene fristlose Kündigung hat der Rechtsanwalt wegen der psychischen Erkrankung seines Mandanten Klage eingereicht. Der Gütetermin findet Ende März statt.

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