Gütersloher stößt Seenotrettung an
Bild: Blumenstein
Im Dienst der guten Sache war Hermann Schürmann aus Bielefeld bei der Eröffnung der Ausstellung "Die Seenotretter" im Gütersloher Stadtmuseum unterwegs. Der Bielefelder sammelt ehrenamtlich Spenden für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Im Hintergrund eine Schautafel mit dem Konterfei Adolph Bermpohls.
Bild: Blumenstein

10. September 1860: Vor Borkum kentert das Segelschiff „Alliance“. Die Küstenbewohner sehen zu, wie die Besatzung ertrinkt. Die Katastrophe ist Anlass für den Navigationslehrer und gebürtigen Gütersloher Adolph Bermpohl, öffentlich die Gründung eines Seenotrettungswerks zu fordern. Damit stößt er eine Bewegung an, die fünf Jahre später zur Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGZRS) führt.

Deren 150-jähriges Bestehen wird mit einer Ausstellung gefeiert, die als Erstes am Hauptsitz der Organisation in Bremen zu sehen war und jetzt im Gütersloher Stadtmuseum über Geschichte und Gegenwart der Seenotrettung informiert. „Wo sonst, wenn nicht hier?“, sagt Holger Stucke von der DGZRS mit Verweis auf den Mann, der alles ins Rollen brachte.

Adolph Bermpohl, dem das Stadtmuseum bereits 2006 eine Schau widmete, wird 1833 in Gütersloh geboren, verdingt sich als Obersteuermann auf Tiefwasserseglern und arbeitet später als Navigationslehrer in Vegesack bei Bremen. Nach dem Untergang der „Alliance“ verfasst er mit anderen einen „Aufruf zu Beiträgen zur Errichtung von Rettungsstationen an den deutschen Inseln der Nordsee“ und wirbt für eine nicht-staatliche, spendenfinanzierte Organisationsform.

Der Appell findet Gehör: In Emden gründet sich 1861 der Verein zur Rettung Schiffbrüchiger an der ostfriesischen Küste. Rasch folgen weitere. Am 29. Mai 1865 schließen sie sich zur Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zusammen.

Die Ausstellung zeigt anhand von Fotos, Schautafeln, Schiffsmodellen, historischer Ausstattung wie dem Raketenapparat, mit dem die Retter bis 1930 ein Seil auf das gestrandete Schiff hinüberschossen, und einigem mehr, wie Seenotrettung früher funktionierte und was sie heute ausmacht. Besonders alte Schätzchen sind eine Flaschenpost von 1875, eine Zündpistole aus derselben Zeit und eine ganze Riege von Spendensammelschiffchen. Die Schau ist bis zum 6. September zu sehen.

Den ausführlichen Bericht finden Sie in der „Glocke“ von Freitag, 17. Juli.

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