Güterslohs Stadtmuseum dreht am Rad
Begeisterte Sammler historischer Zweiräder: Jörg Ehrich (links) und Dr. Alexander Dammann, die ab Sonntag, 14. Juli, im Gütersloher Stadtmuseum ihre interessantesten Exponate zeigen.

 Der nostalgische Schnappschuss gehört zur Ausstellung „Miele und mehr – Historische Zweiräder aus Bielefeld und Gütersloh“, die an diesem Sonntag um 11.30 Uhr im Stadtmuseum Gütersloh eröffnet wird. Dafür hat sich der Heimatverein nicht nur aus der umfangreichen, vielschichtigen Sammlung von Dr. Alexander Dammann (Gütersloh) bedienen dürfen, sondern auch aus dem Fundus von Jörg Ehrich (Steinhagen).

Anhand von rund 40 Fahrrädern und 14 (Klein-)Motorrollern schwerpunktmäßig der Firmen Miele, Dürkopp und Adler sowie einer unglaublichen Menge an Details – Original-Zubehör, Prospekte, Plakate, Fotos, Emaille- und Blech-Werbeschilder, Lampen,

Dr. Alexander Dammann ist ein leidenschaftlicher Sammler. Von Miniatur-Fahrzeugen, die er schon seit kindlichen Matchbox-Tagen hortet, über wunderbares Blechspielzeug bis hin zu den historischen (Motor-)Rädern regionaler Hersteller – der Gütersloher Dermatologe mit Harsewinkeler Wurzeln kann sich für alles begeistern. Fündig wird er auf Trödelmärkten und Sammlerbörsen, bei Haushaltsauflösungen und im Internet. Sehr zur Freude der umliegenden Museen. Denn sowohl das Gütersloher Stadtmuseum als auch das Historische Museum Bielefeld oder das Lippische Landesmuseum Detmold haben sich für ihre Ausstellungen schon aus seinem Bestand bedient.

Jörg Ehrich kommt aus Steinhagen und arbeitet in Verl beim Karosseriebauer und Oldtimer-Restaurator Martin Klinke. Seine Vorliebe für Nostalgisches hat ihn dazu gebracht, in Brockhagen ein kleines Privatmuseum einzurichten. Rund 90 Fahrräder sind dort zu sehen. Darüber hinaus ist Ehrich vielen bekannt als sachkundiger und launiger Moderator der Spökenkiekertour, die alljährlich vom Motorradmuseum in Greffen startet.

Steuerkopfzeichen sowie Kuriositäten – dokumentieren die beiden leidenschaftlichen Sammler einen ebenso wichtigen wie spannenden Ausschnitt regionaler Mobilitätsgeschichte. Im wahrsten Sinn des Wortes „erfährt“ man Wissenswertes und Vergnügliches über die Entwicklung des Radfahrens vom exklusiven Freizeitvergnügen einiger Weniger Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Massenfortbewegungsmittel über zwei Weltkriege hinweg in die Wirtschaftswunderzeit hinein.

Dammann und Erich lassen sie ordentlich knattern, die Pättkenschnüwer westfälischer Provenienz, rücken auch deren nicht motorisierte Speichenbrüder ins Rampenlicht. Und alle zeugen sie vom hohen Qualitätsanspruch der regionalen Herstellerfirmen. Nicht nur Miele machte sich mit seinen stabilen Zweirädern und ausgeklügeltem Zubehör einen Namen. Auch Nähmaschinenwerke wie Dürkopp in Bielefeld nutzten ihre Technik und produzierten auf der Suche nach neuen Absatzmärkten Fahrräder en gros. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es am Teuto mehrere Hundert (!) Zulieferbetriebe, die die großen Herstellerfirmen mit Griffen, Sätteln, Kettenkästen oder Gepäckträgern versorgten.

Zweiräder wissen Geschichte(n) zu erzählen. Nicht nur das Miele-Vehikel, das durch seine 21 000er-Rahmennummer auf die frühen 30er-Jahre datiert werden kann und damit zu den ältesten Exemplaren der Rad-Fabrikation gehört. „Die Ausstellung zeigt Exponate, die selbst das Miele-Museum nicht vorweisen kann“, sagt Dammann stolz.

Rost als Nostalgie-Patina

Ein 30er-Jahre-Herrenrad mit roten Ballonreifen, ein Damenrad mit Chromfelgen, ein Exemplar von 1901 mit Kardan-Antrieb für die ganz Sportlichen, die ohne Freilauf treten wollen, oder im Rahmen eingebaute Luftpumpen, die während der Fahrt zum Einsatz gebracht werden können: „Es gibt heute nichts, was es früher nicht auch schon gab“, sagt Dammann. Selbst den trendigen E-Bikes weiß die Ausstellung zünftige Vorgänger entgegenzusetzen.

Blank geputzt reihen sich vom Sax-Motor zur Saxonette gewandelte Miele-Maschinen aneinander. 1935 noch radähnlich mit Pedalen ausgestattet, waren sie 1938 schon richtige Motorräder – und auch entsprechend schneller. Schnittige Objekte der Sammlerbegierde, so wie die kompakte, 150er-Version oder das Dürkopp-Diana-Sport-Modell von 1958 – die feuerrote Antwort aus Bielefeld auf Italiens Vespa.

Die Ausstellung läuft bis zum 20. September. Wer Informationen zum Gütersloher Radfahrverein von 1892 hat, oder Wissenswertes zur Ausstellung beitragen möchte, oder interessante Exponate hat, kann sich im Stadtmuseum, Tel. 05241/26685, melden.

Die motorisierten Exemplare sind nahezu alle fahrbereit. „Wir machen sie technisch fertig, ansonsten wollen wir ihren Zustand konservieren, das Original möglichst umfassend erhalten, statt einfach drauflos zu restaurieren“, verdeutlicht Dammann seine und Ehrichs Zielsetzung. Das erklärt auch den Rost als mitunter gewollten Rahmen für Authentizität. Echt abgefahren!

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