Güth & Wolf, die „Bandbude“ an der Dalke
Bild: Dinkels
In vierter Generation führt Hermann Güth (50) das Familienunternehmen an der Herzebrocker Straße. Er zeigt einen Gurt mit dem Firmenschriftzug.
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Ein Wehr und die Brücke am Rieger Park stammen auch von der Weberei, die Wasser und Staurechte hält.

„Hierdurch erlauben wir uns ergebenst mitzuteilen, dass wir am hiesigen Platze unter der Firma Güth & Wolf eine mechanische Weberei leinener, wollener, baumwollener Bänder und Gurte errichtet und mit dem heutigen Tage in Betrieb gesetzt haben“, teilten die Gründer am 1. November 1887 ihren künftigen Kunden in einem Brief mit. Das Datum gilt als Geburtsstunde der Firma. Sechs Mitarbeiter stellten Etiketten und Besatzbänder her. Seither hat das Unternehmen zwei Kriege, Währungsreformen, Wirtschaftskrisen und den Niedergang der Textilindustrie überstanden.

Heute ist Güth & Wolf – älteren Güterslohern im Volksmund noch als „Bandbude“ bekannt – die letzte in Gütersloh produzierende Weberei. „Die Bandweber sind schon immer Nischenanbieter gewesen“, sagt Hermann Güth (50), seit dem Ausscheiden von Henrich-R. Wolf vor sieben Jahren alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter. Die GmbH gehört bis heute beiden Familienstämmen zu gleichen Teilen. Erklärtes Ziel ist es, den Charakter des Familienunternehmens zu wahren.

In der Branche gebe es viele Spezialisten, sagt Güth. Die Gütersloher hingegen habe ihre Vielseitigkeit stark gemacht. „Wir müssen das gesamte Spektrum abdecken, und irgendetwas läuft immer“, so der Unternehmer – zum Beispiel Hundeleinen wie bei der Krise 2008/09.

Das gesamte Spektrum heißt: Bänder für Gardinen, Polster, Bücher, Hosen, Gurte für Rucksäcke, Kleidung, Arbeitssicherheit, Polizei und Feuerwehr. Breitere Exemplare können viele Tonnen schwere Lasten tragen. Anders als früher bestehen sie heute kaum noch aus Natur-, sondern aus Kunststofffasern. Aktuell werden Bänder und Gurte aus regenerativen Faserstoffen entwickelt. Allein Klettbänder und Autosicherheitsgurte stellt der Betrieb mit zwei Werken in Gütersloh und einem Zweigwerk nahe Oldenburg nicht her.

Außer Vielseitigkeit ist Qualität der zweite Schlüssel zum Erfolg und die Garantie für den Standort Gütersloh. Das Unternehmen sieht sich auch international als Technologieführer. Dazu bedarf es geschulter Fachkräfte und Entwickler. Ausbildung genießt deshalb im Haus Güth & Wolf einen besonderen Stellenwert.

Das Jubiläum wird am 17. November mit Mitarbeitern, deren Familien und Rentnern in der Stadthalle gefeiert. Bis dahin soll eine neue Chronik fertig sein.

www.gueth-wolf.de

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