Handel und Politik pochen auf Zusagen
Blick von oben: Zwischen Strengerstraße (links) und Friedrich-Ebert-Straße (rechts) soll die Berliner Straße nach diesem Plan ungebaut werden. Auf der östlichen Seite mit dem Rathaus (unten) sind Stellplätze in Längsrichtung vorgesehen. Auf der westlichen Seite (oben) sollen sie schräg angeordnet werden. An der Strenger-/Schulstraße ist ein Wendebereich vorgesehen, der die Anmutung eines kleinen Kreisverkehrs hat. 

 „Wir sind davon ausgegangen, dass eine Vielzahl an Stellplätzen erhalten bleibt“, sagte Rainer Schorcht, Vorsitzender des Gütersloher Einzelhandels, am Donnerstag der „Glocke“. Den Ratsbeschluss zum Umbau des Konrad-Adenauer-Platzes habe man nur hingenommen unter der Maßgabe, dass an der Berliner Straße mehr Stellplätze eingerichtet werden. Wenn das nicht möglich sei, „dann muss man den Konrad-Adenauer-Platz an der Seite zurückbauen“, forderte der Kaufmann. Die Stadt müsse erreichbar bleiben. Es gebe fast keine oberirdischen Stellplätze mehr in der Innenstadt. Auch wer ins Rathaus müsse, benötige eine Parkgelegenheit.

Am Mittwoch habe er einen regelrechten „Shitstorm“ erlebt und sich auch schon mit Stadtbaurätin Nina Herrling in Verbindung gesetzt. „Ich will, dass Gütersloh weiter attraktiv beliebt. Wir sind im Moment dabei, das Auto zu verteufeln.“ Schorcht beklagte auch eine schlechte Kommunikation. Der Einzelhandel sei vor der Sitzung nicht informiert worden.

Als der Umbau des Platzes vor dem Rathaus mit dem Wegfall von rund 60 Stellplätzen 2017 beschlossen worden war, hatte es geheißen, an der Berliner Straße könnte die Zahl durch Schrägaufstellung auf bis zu 66 erhöht werden. Am Dienstag wurde die Zahl jetzt noch mit 41 angegeben inklusive fünf Behindertenstellplätzen. Für die SPD hatte Dr. Thomas Krümpelmann im Ausschuss sofort das Unverständnis seiner Fraktion zum Ausdruck gebracht.

Am Donnerstag erklärte auch der CDU-Fraktionsvorsitzende und Vorsitzende des Planungsausschusses, Heiner Kollmeyer (Bild rechts), die CDU erwarte, dass beim Umbau so viele Stellplätze entstünden, wie vereinbart worden seien. „Wir haben als Politik gemeinsam mit den Bürgern dem Umbau der Berliner Straße unter der Voraussetzung zugestimmt, dass eine bestimmte Anzahl an Stellplätzen entsteht“, so Kollmeyer. „Zu diesem Versprechen stehen wir und erwarten, dass die Bauverwaltung dies auch tut, indem sie sich an die Geschäftsgrundlage des Beschlusses hält.“ Diese Verlässlichkeit sei sie den Menschen und dem Einzelhandel schuldig. Kollmeyer: „Die CDU akzeptiert nicht, dass durch die Feinplanung plötzlich ganze 20 Stellplätze wegfallen. Wir bitten die Bauverwaltung daher, neue Planungen und Ideen vorzulegen, wie und wo die versprochenen Parkplätze realisiert werden können.“

„Wir haben uns gegen den Umbau des Konrad-Adenauer-Platzes ausgesprochen. Die Parkplätze gehörten zur Lebensader der Innenstadt“, sagte Nobby Morkes (BfGT) der „Glocke“. Auf den Vorschlag einer Tiefgarage sei die Verwaltung nicht eingegangen. Sie versuche vielmehr, „die Innenstadt vom Verkehr abzunabeln“, sagte Morkes. Das sei mit den BfGT nicht zu machen. Die Verwaltung müsse sich dringend überlegen, wie oberirdische Kurzzeitstellplätze in der Innenstadt geschaffen werden könnten. Wenn dann noch wegen der Kirmes der Marktplatz gesperrt werde, gebe es definitiv zu wenige Plätze. Außerdem sei ein Einnahmeausfall bei den Parkgebühren zu befürchten.

Auch der UWG erschließt sich nach den Worten ihres planungspolitischen Sprechers Norbert Bohlmann nicht, warum sich die Anzahl der Stellplätze um fast ein Drittel („die genaue Anzahl ist der Verwaltung offenbar nicht bekannt“) reduzieren soll. Die zur Verfügung stehende Fläche habe sich nicht geändert. Planung und Ausführung entsprächen nicht der Beschlusslage. Bohlmann: „Die weiteren Ausführungen sind zu stoppen, und die Verwaltung muss einen Vorschlag erarbeiten, wie die vereinbarte Planung umzusetzen ist.“ Der Förderantrag gehe von 66 Stellplätzen aus.

Anders sehen es nur die Grünen: „Wir haben nichts dagegen, dass die Zahl der Stellplätze reduziert wird“, sagte die Fraktionsvorsitzende Birgit Niemann-Hollatz. Aber es müsse für alle Verkehrsteilnehmer eine verträgliche Lösung gefunden werden. Für Radfahrer sei die Planung nämlich nicht glücklich.

Zitat von 2017

„Mit der Neuordnung des Straßenquerschnitts der Berliner Straße können drei Ziele gleichzeitig erreicht werden: Ein Ziel ist die Verbreiterung des westlichen Gehweges mit ausreichend Fläche für Auslagen und Flächen zum Flanieren sowie für außengastronomische Nutzungen. Weitere Ziele sind die Optimierung des Stellplatzangebotes entlang der Berliner Straße und der überwiegende Erhalt der straßenbegleitenden Platanen. Auf der westlichen Seite sind 33 Stellplätze vorgesehen, auf der östlichen Seite 24 Stellplätze sowie drei behindertengerechte Stellplätze jeweils in Senkrechtaufstellung zur Straße. Mit den sechs Stellplätzen für Taxen in Längsaufstellung können somit 66 Stellplätze erhalten werden.“

Aus der Entwurfserläuterung des Büros Lohaus und Carl zur Umgestaltung des Konrad-Adenauer-Platzes im Januar 2017

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