Hannelore Hoger als Herzenssache
Gast Hannelore Hoger (links) und Gastgeberin Annette Kornblum (ASF).

Eine ,,großartige, unverwechselbare und mutige Schauspielerin„ in Gütersloh:  „Das ist für uns eine Herzenssache“, sagt Kornblum. Der große Saal im Gütersloher Theater ist ausverkauft. Die gespannte Aufmerksamkeit der überwiegend weiblichen Besucher gilt am Montagabend einer Frau, die zu den profiliertesten deutschen Charakterdarstellerinnen im Film und auf der Bühne gehört.

 Erst vor wenigen Tagen hat die 69-Jährige für ihr Lebenswerk den Ehren-Grimme-Preis erhalten. Sie habe das deutsche Fernsehen in ganz unterschiedlichen Rollen mit einer beeindruckenden Bandbreite an Figuren und Interpretationen bereichert, erklärte die Jury. Am Montag stellte die frischgebackene Preisträgerin auf Einladung der ASF, des Literaturvereins und der Buchhandlung Markus in der Dalkestadt das von der Schriftstellerin Sibylle Berg herausgegebene Buch „Und ich dachte, es sei Liebe“ vor. Die Sammlung von Abschiedsbriefen, die Frauen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen an ihre Männer oder Liebhaber verfasst haben, wurde vom Pianisten Siegfried Gerlich mit Stücken von Debussy, Schumann und Gershwin begleitet.

Hannelore Hoger versteht es, vom Verlassen und Verlassenwerden zu erzählen. Einfühlsam interpretiert sie die Briefe, die von Trauer und Zorn geprägt sind. Aber man merkt ihr auch an, dass ihr jene Schreiben, in denen Spott zu spüren ist, die liebsten sind. Dazu zählt der süffisante Abschiedsbrief der britischen Krimiautorin Dorothy Sayers an deren heiratsunwilligen Kollegen John Cournos. Erstaunlich ist auch der 1950 von Simone de Beauvoir an Nelson Algren adressierte Brief. Mit rauchiger Stimme lässt Hoger die Feministin sich darin voller Sehnsucht an seine Zärtlichkeit und Wärme erinnern. Vom legendären Selbstbewusstsein der Beauvoir keine Spur.

 Es ist eine spannende Reise durch Zeit und Emotionen, auf die die Schauspielerin ihre Zuhörer mitnimmt. Sie führt ins Mailänder Lazarett, wo sich 1918 Agnes von Kurowsy und Ernest Hemmingway kennen und lieben lernen. Der 19-jährige Ambulanzfahrer wird diese Liaison später in Literatur umsetzen, während sich die ältere Frau längst in einen anderen verliebt hat und sich Hemingway gegenüber mütterlich gibt: „Ernie, lieber Junge, kannst du mir eines Tages vergeben?“, liest die Hoger und offenbart damit auch die eigene Wandelbarkeit.

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