Hannelore Hogers Geschichten von der Liebe
Bild: Daub
Hannelore Hoger (links) las am Dienstag im stilvollen Ambiente des Spexarder Kochstudios „La Vita“ auf Einladung von Marion Schlieckmann und Will Joachim Texte zum Thema Liebe. 
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Als versierte Erzählerin dieser vielschichtigen Thematik bescherte sie am Dienstagabend im voll besetzten Avenwedder Kochstudio „La Vita“ den Zuhörern einen ebenso besinnlichen wie sinnlichen Abend.

Tipp: Die nächste Veranstaltung im Avenwedder Kochstudio „La Vita“, Dietrichstraße 17, ist am Dienstag, 21. Juni, ab 19 Uhr. Dann wird Wissenschaftsjournalist Jean Pütz zu Gast sein. Karten gibt es unter Tel. 05241/2201547.
Hilft es, in der Liebe pragmatisch zu sein? Hannelore Holger konnte die Frage unkriminalistisch am Beispiel von Winston Churchill beantworten. Dessen Beziehung zu Ehefrau Clementine hat knapp 60 Jahre gewährt und endete mit seinem Tod. Sie habe Englands größten Staatsmann öfter mal „Mops“ genannt, manches Mal auch „Schweinchen“, zitierte Holger diverse Memoiren und biografisch nicht allzu bekannte Details. Beide hätten offenbar genau gewusst, wann sie einander nicht ertragen und wann sie ohne einander nicht sein konnten.

 Die Schauspielerin wirkte im Schein von Kerzen auf silbernen Leuchtern, und im ansprechendgemütlichen Ambiente des Kochstudios anfangs noch verhalten. Ihre so angenehme Stimme haderte etwas mit der Übertragungstechnik. Im zweiten Teil – nachdem sich Hoger und auch das Publikum mit dem von Hausherrin Marion Schlickmann gereichten Spargelcremsüppchen samt edlen Rebensäften gestärkt hatten -, wirkte der Fernsehstar indessen merklich gelöster. Und wenn Hoger ihr verschmitzt-heiteres Lächeln zeigte, gingen die Sterne auf. Die Mienen der Zuschauer verklärten sich. „Ja, so kennt man sie“, freute sich eine Gütersloherin.

 Von Tucholsky bis Walser

Dass die Schauspielerin Kurt Tucholsky (1890 bis 1935) liebt, erfuhr man bei ihrer Rezitation des „Colloquium in utero“ (1932), einem ironischen Gespräch zwischen zwei Zwillingen im Mutterleib, das das Wesen der Liebe erklärt. „Das Leben im Mutterleib ist heilig. Lieber zehn Kinder auf dem Kissen als eines auf dem Gewissen.“

 Es folgte die aufschlussreiche Begegnung einer Jungverlobten, die – von Dänemarks Vorzeige-Literatin Tania Blixen einfühlsam erdacht – einem männlichen Waldgespenst ihren Ring opfert. Es gab charmante Leseproben aus David Foster Wallaces exzessivem Sprachkunstwerk „Unendlicher Spaß“, Nachdenkliches von Ulla Hahn („Gibt es eine weibliche Ästhetik?“) und das Prosa-Gedicht „Denke dran“ von Robert Walser. „Vergiss nicht das Süße und nicht das Schwere“, gab Hannelore Hoger ihren gebannt lauschenden Zuhörern mit auf den Nachhauseweg. „Denke dran, dass es ein Leben und dass es einen Tod gibt . . .Wenn dich eine Gleichgültigkeit und Lieblosigkeit ankommen will, so spanne dein Gedächtnis an.“

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