Heimische SPD spürt Schulz-Effekt
Der designierte Kanzlerkandidat Martin Schulz verbreitet Aufbruchstimmung unter den Sozialdemokraten.

„Die Glocke“ hat die aktuellen Zahlen erfragt.

CDU: Der Kreisverband hat laut Kreisgeschäftsführer Hubert Kleinemeier 3829 Mitglieder. Vor einem Jahr waren es 3912. Überwiegend demografische Gründe nennt Kleinemeier für den Rückgang. Bei den Neueintritten lasse sich „keine besondere Gruppe ausmachen“, sie stammten aus allen Bevölkerungsgruppen.

„Die Mitgliederwerbung erfolgt überwiegend in den örtlichen Verbänden und den Vereinigungen durch persönliche Ansprache“, erklärte der Geschäftsführer. Viele Verbände hätten Mitgliederbeauftragte gewählt. Vor zehn Jahren hatte der Kreisverband noch 4280 Angehörige. Den historischen Höchststand erreichte die Union im Kreis Gütersloh 1986 mit 5027 Mitgliedern.

Der Stadtverband Gütersloh hat aktuell 616 Mitglieder (Vorjahr: 626). Davon entfallen auf den Ortsverband Gütersloh 322, Spexard 85, Avenwedde-Friedrichsdorf 128 und Isselhorst 81.

„Damit können wir nicht zufrieden sein“, sagte der CDU-Stadtverbandsvorsitzende und Landtagskandidat Raphael Tigges zur Entwicklung. „Wir müssen sehen, dass wir die Partei verjüngen, wir haben einen recht hohen Altersschnitt.“ Die Union müsse dranbleiben und die Mitglieder an der Basis ansprechen. „Was funktioniert, sind persönliche Gespräche“, sagte Tigges. Es müsse nicht gleich eine Mitgliedschaft sein. Interessenten könnten auch im vorpolitischen Raum aktiv mitarbeiten.

Im Übrigen spüre auch die CDU einen gewissen Schulz-Effekt, so Tigges – indem nämlich die eigenen Mitglieder wieder verstärkt motiviert würden.

SPD: Der SPD-Kreisverband hat gegenwärtig 1257 Mitglieder, 2 weniger als ein Jahr zuvor. Seit März vergangenen Jahres verzeichnete Kreisgeschäftsführerin Ann Katrin Brambrink 74 Eintritte, darunter 16 im Januar und 10 im Februar dieses Jahres. 2015 waren es im gleichen Zeitraum 48 Eintritte. Durch die Neuzugänge konnten Sterbefälle, Wegzüge und Austritte nahezu kompensiert werden. Das Durchschnittsalter der neuen Genossen liegt bei 39 Jahren. 70 Prozent sind männlich.

Vor zehn Jahren hatte der SPD-Kreisverband 1466 Mitglieder, 1986 waren es 2062. Im Kreisverband wird laut Ann Katrin Brambrink gegenwärtig nicht geworben, wohl aber auf Landes- und Bundesebene.

Der SPD-Stadtverband Gütersloh hat aktuell 360 Mitglieder, 33 mehr als vor einem Jahr. Davon entfallen 275 auf den Ortsverein Gütersloh, 59 auf Avenwedde-Friedrichsdorf und 26 auf den Ortsverein Isselhorst.

Die Stadtverbandsvorsitzende und Landtagskandidatin Susanne Kohlmeyer erklärt dazu: „Der Schulz-Effekt ist auch im SPD-Stadtverband deutlich spürbar. Martin Schulz steht für Glaubwürdigkeit und soziale Gerechtigkeit. Darüber hinaus verkörpert er etwas, das die sozialdemokratische Seele lange vermisst hat und bringt ein deutlich linkes Profil in die Partei.“

Bündnis 90/Die Grünen: Der Kreisverband der Grünen hat 246 Mitglieder. Die Tendenz ist laut Geschäftsführerin Gitte Trostmann steigend. Nach der Wahl von Donald Trump in den USA habe es Eintritte gegeben und auch als „Gegenreaktion auf die AfD“. Die Menschen wollten ein Zeichen für Demokratie und Freiheit setzen, so Trostmann.

Unter den neuen Mitgliedern seien junge und alte, Männer und Frauen. Geworben werde im Internet bei Facebook, auf den Internetseiten, in persönlichen Gesprächen sowie beim Grünen Stammtisch. Vor zehn Jahren betrug die Mitgliederzahl 180. Bundesweit und im Kreis hätten die Grünen noch nie mehr Mitglieder gehabt als heute.

Der Ortsverband hat 54 Mitglieder. 16 konnten im zurückliegenden Jahr hinzugewonnen werden, so Trostmann.

FDP: Die Mitgliederzahl der FDP im Kreis hat sich nach Angaben des Kreisverbandsvorsitzenden Hermann Ludewig stabilisiert und liegt derzeit bei rund 250. „Die Zahl steigt auf niedrigen Niveau“, sagte der Vorsitzende. Die zeitweise Kooperation mit der AfD im Kreistag habe zu einem Einbruch geführt mit an die 20 Austritten. Jetzt kämen auch junge Menschen zur FDP.

Der Ortsverband Gütersloh hat nach Angaben des Schatzmeisters Johannes Elstner derzeit 44 Mitglieder. Die Zahl sei seit der Kommunalwahl 2014 stabil. Allerdings hatte die FDP etwa in den 70er-Jahren in Gütersloh weit mehr als 100 Parteigänger.

Linke: Die Linke hat kreisweit nach Angaben ihres Sprechers Michael Pusch knapp über 100 Mitglieder. Davon stamme fast die Hälfte, rund 45, aus Gütersloh. Die Tendenz sei leicht steigend. Unter den Mitgliedern befänden sich viele junge Menschen und Frauen.

AfD: Der 2013 gegründete Kreisverband der Alternative für Deutschland (AfD) hat nach Angaben des Vorsitzenden Udo Hemmelgarn derzeit 71 Mitglieder. Davon entfielen gut 25 auf den 2016 gegründeten Ortsverband Gütersloh. In beiden Fällen handele es sich um Höchststände, sagte Hemmelgarn. Die Tendenz sei steigend.

(Alle Angaben stammen nach Verfügbarkeit von den jeweiligen Parteien.)

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