Herzschlagmusik zum Bahama-Cocktail
Bild: Pieper
Latin-Diva in Goldlamé: Olvido Ruiz servierte mit dem Bahama Soul Club einen süffigen Karibik-Cocktail - nachdem Sona Jobarteh afrikanische Klänge kredenzt hatte.
Bild: Pieper

 Die in London aufgewachsene Sängerin, Komponistin und Musikerin mit gambischen Wurzeln, hat die Grundfeste westafrikanischer Musik erschüttert als sie das Patronage-System der Griots, der jahrhundertelang nur Männern vorbehaltenen Kaste der Sänger und Geschichtenerzähler ihrer Heimat, sprengte und sich als eine von ihnen überzeugend durchsetzte. Dass Musik, egal welcher Art, nicht nur Männersache sein kann, hat die 33-Jährige am Donnerstagabend auf dem Gütersloher Dreiecksplatz mit Charme und Selbstbewusstsein klargestellt. Frauenpower der besonderen Art.

Temperaturmäßig etwas kühler als die Vortage, atmosphärisch aber durchaus wieder „hot“. Kein Wunder, dass Petrus pünktlich um 20 Uhr die Himmelsschleusen schloss.

Gut so, denn so konnte man eine ebenso schöne wie smarte Sängerin und Kora-Koryphäe kennenlernen. Nicht nur mit ihrer Hymne „Gambia“ empfahl sich Sona Jobarteh als Meisterin an dieser hierzulande viel zu selten zu hörenden 21-saitigen, bauchigen Stegharfe, der sie mit wieselflinken Fingern hell-perlende Töne entlockte. Klänge, die sie zum melodischen Mix aus afrikanischen Beats, entspanntem Blues und eingängigem Afro-Pop werden verwebt. Vielleicht gelingt ihr das auf so elegante und leichthändig wirkende Art, weil sie am Royal College in London auch Cello, Klavier und Cembalo studiert hat. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Sona Jobarteh um den Wert der eigenen Traditionen weiß und sie bewusst immer wieder um Unerwartetes und Neues anreichert.

Faszinierend, wie sie mit ihrer gut aufgelegten Band, allen voran Perkussionist Mamadou Sarr, aus der pulsierenden Herzschlagmusik ihrer Heimat eine vielschichtige, zeitgemäße Weltmusik entwickelt. Lieder, die ein ganz anderes afrikanisches Lebensgefühl über den Dreiecksplatz wehen lassen als es die Nachrichten-Bilder in diesen Zeiten vermitteln. Lieder, die von Liebe und Respekt, von Freiheit und Identitätsfindung erzählen. Lieder, die die Welt heute mehr denn je braucht.

Süffiger Karibik-Vintage-Sound-Cocktail

Hippig-flippig dagegen der Sound vom „Bahama Soul Club“ und von der als langmähnige und -beinige Latin-Diva lockenden Sängerin Olvido Ruiz Castellanos aus Havanna. Gemeinsam mit Oliver „Castro“ Belz und seinen Buena-Vista-Social-Club-Enkeln aus Braunschweig servierte die Lady in Goldlamé einen durchaus süffigen, mit Jazz und Rock aufgepeppten Bossa-Pop-Karibik-Cocktail. Vintage-Sound mit lungenkräftiger Saxofon-Sektion und zwerchfellerschütterndem Bass. Musik, die einfach nur Spaß machen und zum Bewegen animieren soll - auch wenn sich das Gütersloher Publikum da doch ein wenig westfälisch-hüftlahm zeigte. Die Musiker nahmen es gelassen. „Funky Nassau“ eben.

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