Hifi-Corner schließt nach 36 Jahren
Bild: Bojak
Nach 36 Jahren gibt Manfred Heveling sein Geschäft Hifi-Corner auf: Der Experte für hochwertige Stereoanlagen und Autoradios, der über die Stadtgrenzen Güterslohs hinaus bekannt ist, geht in den Ruhestand.
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 „Ich finde keinen Nachfolger. Und durch die Konkurrenz des Internets ist es deutlich schwieriger geworden, sich am Markt zu behaupten“, erklärt Heveling. Er freut sich, dass er künftig mehr Zeit zum Beispiel fürs Radfahren haben wird. Aber in die Freude mischt sich auch Wehmut. Schließlich verrichtet der Radio- und Fernsehtechnikmeister („So hieß die Ausbildung damals“) seine Arbeit mit Leidenschaft. In der Werkstatt hinter den Geschäftsräumen hat er einige alte Hifi-Geräte in Regalen verstaut: Verstärker, CD-Spieler, Radios. „Damit ich auch noch ein bisschen zu tun habe, wenn das Geschäft geschlossen ist“, sagt er mit einem Schmunzeln.

Verrückte Sachen

„Wir haben schon verrückte Sachen gemacht“, erzählt Heveling über die Hochzeit des Car-Hifi. Mit Mitgliedern von Opel- und VW-Clubs habe er Lautstärken-Wettbewerbe ausgerichtet. In die Wagen der Teilnehmer sei ein Mikrofon gestellt worden. „Dann haben wir die Anlage per Fernbedienung voll aufgedreht.“ 130 Dezibel Lautstärke seien schon gut gewesen. Die Anlage, die eine Leistung von 135 Dezibel erbracht habe, habe am Ende gewonnen. „Wir haben viele, sehr große Basslautsprecher in Autos eingebaut“, sagt Heveling. Einige seien mehr als einen Meter lang gewesen.

Smartphone und Bluetooth-Lautsprecher reichen an Klangqualität nicht heran

Vom Trend, Boxen für die Hifi-Anlage selbst zu bauen, profitierte Heveling ebenfalls. „Tieftöner, Hochtöner, Frequenzweichen, Anschlussklemmen, Kabel, Bezugsstoffe – das gab es alles bei uns“, berichtet der Fachmann. Nach einigen Jahren hätten die meisten Boxen-Hersteller die Preise für hochwertige Modelle aber deutlich gesenkt und die Selbstbau-Welle sei abgeflacht. Etwa zu dieser Zeit habe das Hifi-Fachgeschäft Radio Femmer an der Berliner Straße geschlossen, erinnert sich Heveling. Er habe die Chance ergriffen und mit den Vertretern hochwertiger Markengeräte verhandelt. Mit Erfolg. Heveling sicherte sich Verträge mit namhaften Herstellern, wie zum Beispiel Yamaha, und blieb weiterhin Anlaufstelle für Liebhaber hochwertiger Musikanlagen. „Es gibt Menschen, die möchten beim Musikhören das Gefühl haben, bei einem Live-Konzert zu sein“, sagt Heveling. Mit Musik aus dem Smartphone, verstärkt durch einen Bluetooth-Lautsprecher, sei so eine Klangqualität nicht zu erreichen.

Ausbildung in Harsewinkel

Begonnen hat Manfred Hevelings Berufslaufbahn als Radio- und Fernsehtechniker in Harsewinkel. Bei der Firma P. A. Richter begann er Ende der 60er-Jahre seine Ausbildung. Nach der Meisterprüfung und einer mehrjährigen Anstellung machte sich Heveling selbstständig. „Zunächst an der Carl-Miele-Straße, später an der Blessenstätte. Dort sind wir seit 30 Jahren“, sagt Heveling. Seit der Zeit habe sich an der Blessenstätte viel verändert. Zahlreiche Geschäfte hätten sich dort niedergelassen und seien wieder verschwunden. „Wir haben viele kommen und gehen gesehen.“ Wir, das waren bis vor etwa anderthalb Jahren Heveling und sein Mitarbeiter, den er selbst ausgebildet hat und der 13 Jahre im Geschäft mitarbeitete. In guten Zeiten habe zusätzlich ein Techniker zum Team gehört, sagt Heveling. In den vergangenen Jahren habe er die Arbeit im Geschäft und in der Werkstatt allein gestemmt. Jetzt verschwindet auch das Geschäft Hifi-Corner.

Kunden erinnern sich an erste Anlagen

Bis Mitte Juni will Heveling noch seine Ware verkaufen – zu reduzierten Preisen. Viele Musikfreunde verabschieden sich im Internet von Manfred „Manni“ Heveling. „Echt schade. Bester Laden ever. Habe meine erste Anlage für mein Auto da gekauft. Ich glaube 1992 und habe sie immer noch in meinem Roadrunner“, schreibt einer. „Alles Gute, Manni, es ist eine geile Zeit gewesen“ ein anderer. Ein weiterer macht Heveling ein Kompliment, das für einen Geschäftsmann nicht besser ausfallen könnte: „Was habe ich Zeit und Geld bei euch gelassen, und nie was davon bereut.“

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