Hunderte demonstrieren für Freiheit
Bild: Inderlied
Rund 350 Menschen haben am Samstagnachmittag an der Demonstration auf dem Kolbeplatz teilgenommen. Auf Plakaten forderten sie unter anderem internationalen Schutz für die Christen im Irak und in Syrien.
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Aufgerufen zu dieser Kundgebung  auf dem Kolbeplatz hatte die Assyrische Vereinigung, die ihre Bundeszentrale in Gütersloh hat. Mit Plakaten („Ihr Staaten des Westens, wir klagen euch an: unterlassene Hilfeleistung“) übten die Demonstranten Kritik am Verhalten der westlichen Welt und forderten eine Schutzzone für die verfolgten Christen im Irak.

Solidarität mit verfolgten Christen

Seiner Empörung über die Gräueltaten der islamistischen Truppen der IS (Islamischer Staat) in der nordirakischen Millionenstadt Mossul machte auch David Kulan aus Bad Oeynhausen Luft. In der Hand hielt er ein schwarzes Plakat mit roter Schrift („Freiheit für die Christen im Irak“). „Zum ersten Mal in ihrer 1800-jährigen Geschichte ist Mossul eine christenfreie Stadt“, presste der 22-Jährige hervor. „Es darf doch nicht sein, dass dort, wo das Christentum entstanden ist, jetzt Christen getötet werden.“

Auch der elfjährige Enlil beteiligte sich an der Demo. „Deutschland, schau nicht weg“, stand auf dem Schild, das er in die Höhe hielt. Die Passanten auf dem Kolbeplatz konnten ebenfalls Farbe bekennen. Mit roter Farbe stempelte die Aktivistin Ninveh Rasko von einer Partnerorganisation aus Chicago den Interessierten den berüchtigten arabischen Buchstaben „N“ auf den Unterarm. Gleichzeitig wurden Faltblätter mit demselben Zeichen, das im Koran für den negativen Begriff der Nazarener steht, verteilt.

Buchstaben-Symbol als stummer Protest

Die Organisatoren riefen die Fußgänger dazu auf, das Symbol für die Christenverfolgung an der eigenen Hauswand zu befestigten. Ein stummer Protest, denn die IS-Truppen markierten mit diesem Zeichen die christlichen Häuser in Mossul, um die Bewohner als Ungläubige zu identifizieren. Ihnen blieb die Wahl: Flucht, Konversion zum Islam, Zahlung eines Schutzgelds oder der Tod.

„Eine Kopfsteuer können sich die meisten ohnehin nicht leisten“, berichtete Ninwa Aras, die die Demonstration mitorganisiert hatte. Deshalb wählten fast alle Christen die Flucht. „Es haben aber nicht alle geschafft, in noch sichere Gebiete zu flüchten“, berichtete die 22-Jährige über grausame Szenen. „Sie wurden in ihren Häusern ermordet oder auf der Straße geköpft beziehungsweise gekreuzigt.“ Die Zahl der Christen im Irak habe sich seit dem Sturz Saddam Hussains im Jahr 2003 von 1,5 Millionen auf rund 300 000 verringert, erklärte Ninwa Aras. „Wenn sie nicht die Akzeptanz als Christen erfahren, werden die letzten Christen aus der Stadt auch noch vertrieben.“

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