Hungerhilfe-Präsidentin in Vesperkirche
20 Millionen Tonnen Lebensmittel werden laut Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe, in Deutschland jährlich weggeworfen. Das erklärte sie beim Besuch der Vesperkirche in der Martin-Luther-Kirche, hier mit Nils Wigginghaus, dem Organisator der Vesperkirche.

„Wir haben Einflussmöglichkeiten – durch unser Einkaufsverhalten, durch unser tägliches Handeln. Wir müssen es nur wollen und ernsthaft umsetzen.“

Dieckmann war auf Einladung des ehrenamtlichen Organisationsteams in die Martin-Luther-Kirche gekommen. Es sei ihr erster Besuch einer Vesperkirche, berichtete sie. Von der in Süddeutschland seit Jahren verbreiteten Idee habe sie gehört. Sie freue sich, dass sie sich nun in der ersten Vesperkirche in Nordrhein-Westfalen einen eigenen Eindruck verschaffen könne. „Ich bin begeistert von der Atmosphäre, den Gesprächen und dem Engagement aller Beteiligten. Das ist etwas ganz Besonderes, was Sie hier erreicht haben. Ich möchte ermuntern, dieses wunderbare Projekt fortzuführen, und werde meinen eigenen Teil dazu beitragen, den Gedanken auch in andere Regionen zu verbreiten“, erklärte Bärbel Dieckmann.

Gefühl von Dankbarkeit muss erhalten bleiben

Die ehemalige Oberbürgermeisterin von Bonn ist seit acht Jahren Präsidentin der Welthungerhilfe. Sie hält sich in Gütersloh auf, weil sie am heutigen Freitag bei der Jahrespressekonferenz des Brotherstellers Mestemacher einen Vortrag hält. Gestern nutzte sie das Angebot, beim sogenannten Mittagsimpuls der Vesperkirche über das Thema Hunger zu sprechen. Hunger, sagte Dieckmann, gebe es in Deutschland nicht. Es gebe Armut, es gebe Menschen, die zur Tafel und zur Suppenküche gehen müssten, es gebe Formen von Mangel- und Fehlernährung, es gebe viel zu viele Menschen, die am Rande lebten, und nichts davon sei gutzuheißen. Aber es gebe auch Hilfen, die dafür sorgten, dass niemand verhungern müsse. Frühere deutsche Generationen hätten andere Erfahrungen gemacht. Es sei ihr wichtig, dass das Gefühl von Dankbarkeit für die heutigen Lebensumstände nicht verlorengehe.

Einfluss nehmen durch das Kaufverhalten

Die Welthungerhilfe ist mit 2300 Mitarbeitern in 38 Ländern tätig. „Weltweit stirbt alle neun Sekunden ein Kind an Hunger und Mangelernährung“, so die Präsidentin. „830 Millionen Menschen müssen hungern, weil sie dauerhaft unter der Mindestversorgung von 1800 Kalorien liegen. 2,3 Milliarden sind mangelernährt.“ In Deutschland könnten die Menschen etwa durch ihr Ernährungs- und Kaufverhalten Einfluss nehmen. Es sei nicht hinzunehmen, dass hierzulande jährlich 20 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen würden. Darüber hinaus gebe es eine soziale Verantwortung. Dieckmann: „Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht. Ich fordere ein größeres Engagement der Industriestaaten.“

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