IG-Metall will bei Miele mitgestalten
Bild: Dinkels
Wollen bei Miele mitgestalten: (v. l.) Tarifsekretär Dr. Patrick Loos, Thomas Wamsler, Geschäftsführer der IG Metall Gütersloh-Oelde, und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Andreas Bernstein traten im Gütersloher Parkhotel vor die Presse.
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 „Wir wollen Verhandlungen über Zukunfts- und Standorttarifverträge. Für alle Standorte und für alle Beschäftigten“, erklärte der Geschäftsführer der IG Metall Gütersloh-Oelde, Thomas Wamsler, in einem Pressegespräch im Parkhotel. Er sollte am Abend zum Ersten Bevollmächtigten gewählt werden. Verunsichert würden die Beschäftigten nicht durch die Gewerkschaft – wie von der Geschäftsleitung behauptet –, sondern durch die Berater von McKinsey, Produktionsverlagerungen, Sparprogramme, den Einstellungsstopp und Befristungen.

Wie sich bei Miele die Kultur verändere, merke man auch daran, wie der Standort München geschlossen werden solle, sagte der Metaller. Gewerkschaft und Betriebsrat hätten einen Plan vorgelegt, über den die Geschäftsleitung einfach hinweggegangen sei. Wamsler: „Das hat auch etwas mit Kultur zu tun.“ In München soll zum Jahresende ein Dienstleistungsstandort geschlossen werden. Betroffen sind rund 50 Mitarbeiter.

Die Aktion am Dienstag vor den Werken habe gezeigt, dass sich viele Beschäftigte nur mehr als „Kostenfaktor“ sähen, so Wamsler. Miele brauche positive Nachrichten. Schwierig sei die Gesprächsbereitschaft der Firmenführung. Die wolle ausschließlich über den Standort Gütersloh sprechen.

Eine 50:50-Aufteilung der Waschmaschinenproduktion auf Gütersloh und das neue Werk im polnischen Ksawerow werde auch in Gütersloh einen erheblichen Abbau von Arbeitsplätzen bedeuten, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Andreas Bernstein. Die Arbeitnehmer seien verunsichert, weil niemand genau wisse, was die ganzen Maßnahmen für den eigenen Arbeitsplatz bedeuteten.

Im neuen Werk in Polen sollen auch neue Laugenbehälter aus Kunststoff entwickelt werden, dort solle Know-How aufgebaut werden. Da mache man sich natürlich im Warendorfer Kunststoffwerk Sorgen.

Bernstein: „Miele ist kein Unternehmen, das kein Geld hat. Miele macht Gewinne.“ Es gehe darum, intelligente Lösungen zu finden.

„Wir stehen bei Miele für Perspektiven für die deutschen Standorte“, erklärte Tarifsekretär Dr. Patrick Loos. „Wir wollen Fertigung, Fortschritt und Spitzentechnologie hier halten.“ Wichtig sei es auch, Qualifizierung, Ausbildung und Personalentwicklung nicht aus dem Blick zu verlieren. „Sonst verliert Miele den Kampf um Fachkräfte und Zukunft.“

Zwei Fragen offen gelassen

Zwei Fragen an die Gewerkschaft sind am Montag nicht beantwortet worden. Auf die Frage, was die Gewerkschaft in den Gesprächen anzubieten habe, sagte Thomas Wamsler, darum gehe es im Moment gar nicht. Es gehe vielmehr erst darum, Zahlen und Fakten zu bekommen und zu analysieren. Die Gewerkschaft habe den Anspruch, diesen Prozess mitzugestalten. Standorte müssten mit ihren Aufgaben definiert werden. Außerdem gehe es um das Thema Qualifizierung. Das könne man nur in Tarifverträgen machen.

Auch zum weiteren Vorgehen hielt sich die Gewerkschaft bedeckt: „Wir werden doch nicht preisgeben, was für einen Druck wir aufbauen“, sagte Tarifsekretär Patrick Loos. Wenn Miele mauere, werde das aber geschehen. Für Gütersloh gebe es ein Gesprächsangebot. „Wir möchten über alle Standorte reden“, sagte Loos. Für heute hat die Geschäftsleitung weitere Auskünfte in Aussicht gestellt.

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