Im Lastwagen wird digitalisiert
Bild: Walkusch
Innen sieht der Scan-Truck fast schon aus wie ein Großraumbüro. Das deutschlandweit einzigartige Fahrzeug stellten am Freitag (v. l.) Daniel Welzer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Arvato CRM Solutions, und Prokeltleiter Klaus-Peter Horstmann vor.
Bild: Walkusch

Aber was macht den 16 Meter langen und 24 Tonnen schweren Lastwagen so besonders? „Damit können wir Akten beim Kunden vor Ort digitalisieren“, so Horstmann. Zehn Arbeitsplätze sowie ein Tisch für den Supervisor – der auch gleichzeitig Fahrer ist – stehen in dem Scan-Truck zur Verfügung.

Außer dem Supervisor-Tisch sind noch vier weitere mit Rechnern ausgestattet. Dort werden von Arvato-Mitarbeitern die digitalisierten Dokumente nachbearbeitet. An den restlichen Tischen wird die Vorarbeit geleistet. „Wir haben in Deutschland fast schon ein Tacker-Problem“, sagte Horstmann schmunzelnd. Bei der Digitalisierung müssen die Heftklammern vorsichtig entfernt werden, damit keine Schrift beschädigt wird. Erst dann können die Dokumente mit dem Scanner verarbeitet werden.

100 000 Seiten pro Tag soll das Gerät schaffen, so der Projektleiter. Betrieben werden kann die Arbeitsstätte mit einem Generator. „Der Truck ist autark. Vier Tage lang kommt er theoretisch ohne einen Stromanschluss aus. Der Diesel kann auch aus der Zugmaschine in den Generator gepumpt werden“, erklärte Horstmann. Aber dazu soll es idealerweise gar nicht kommen.

Der Scan-Truck ist dafür gedacht, dass er vor dem Gebäude des Kunden abgestellt wird. Die Mitarbeiter sollen von dem Arvato-Standort dorthin beordert werden, der am nächsten ist. Nur der Fahrer und Supervisor soll so durch das Land reisen. Und der dürfte einige Kilometer hinter sich bringen. Schließlich ist das Fahrzeug in Wilhelmshaven stationiert. Und gleich der erste Auftrag, den das Gütersloher Unternehmen für den Scan-Truck erhalten hat, führt einmal quer durch die Republik bis nach Wolfratshausen. Mehr als 900 Kilometer muss der Lastwagen dafür zurücklegen.

Apropos Auftrag: Dass sich so schnell interessierte Kunden meldeten, damit habe das Unternehmen gar nicht gerechnet, sagte Daniel Welzer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Arvato CRM Solutions. „Wir dachten, wir müssten zunächst viel Werbung betreiben.“ Ob sich der mobile Digitalisierungsservice überhaupt rechne, das müsse man abwarten. Und auch einen zweiten Lastwagen ordere man erst dann, wenn die Auftragslage entsprechend hoch sei.

Wie teuer der Scan-Truck mit dem Namen Andi (Analog-Digital) gewesen ist, wollten die Verantwortlichen von Arvato CRM Solutions am Freitag nicht verraten. Nur, dass es sich um eine Sonderanfertigung des Unternehmens Krukenmeier-Fahrzeugbau aus Delbrück handelt. Vor gut anderthalb Jahren hatte Klaus-Peter Horstmann die Idee zu dem Truck.

Aber wozu wird so ein mobiler Digitalisierungsservice überhaupt benötigt? „Viele Dokumente dürfen das Haus nicht verlassen“, erklärte Daniel Welzer bei der Vorstellung des Trucks. Dabei handele es sich zum Beispiel um Patientenakten oder vertrauliche Daten. „Viele Unternehmen müssen kurzfristig auf die Informationen zugreifen können“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung.

Die Akten dürften aus rechtlichen Gründen nicht über Nacht im Truck bleiben, müssen also zum Feierabend den Firmen wieder übergeben werden. Zudem seien Hacker-Angriffe auf den Lastwagen nicht möglich. „Der Truck hat ein eigenes Rechenzentrum. Nichts von den digitalisierten Daten kann nach außen gelangen“, sagte Klaus-Peter Horstmann.

Sollte sich ein Kunde in einer Innenstadt befinden, wo der Truck nicht geparkt werden könne, müsse er eben ein, zwei Kilometer entfernt abgestellt werden. „Da ist aber die Gefährdungslage sehr viel geringer, als wenn die Akten hunderte Kilometer über die Autobahn transportiert würden.“ Das sei derzeit aber bei vielen Firmen, die ihre Dokumente digitalisierten, gang und gäbe.

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