Internet-Forum diskutiert den Doppelmord
Archivbild: Steinecke
Was hat sich Heiligabend 2013 in diesem Haus am Stadtpark tatsächlich abgespielt? Zwei Menschen wurden damals brutal ermordet.
Archivbild: Steinecke

Lebhaft diskutiert wird sie auch im Internet im Forum All Mystery. Seit dem zweiten Weihnachtstag 2013 wird der Mord an der 74-jährigen Ärztin und ihrem 77-jährigen Bruder in deren Haus an der Badstraße online diskutiert und kommentiert, werden Spekulationen angestellt und Erwartungen geäußert. Auf 356 Seiten finden sich mittlerweile mehr als 7073 Einträge, von kurzen Stellungnahmen bis hin zu längeren Berichten von den 18 Verhandlungstagen am Bielefelder Landgericht.

Einzelne Teilnehmer haben den Prozess demnach live auch im Gerichtssaal verfolgt – etwa die Plädoyers von Staatsanwalt Christoph Mackel („schuldig“) sowie der Verteidiger Dr. Carsten Ernst und Sascha Haring („nicht schuldig“). Auch der eine oder andere Zeitungsbericht wird dort wiedergegeben.

So beschäftigten sich die Forumsteilnehmer zuletzt mit der Frage, was die nicht verschlossene Terrassentür des Hauses an der Badstraße über den Tathergang aussagen könnte. Die Verteidiger hatten in ihren Plädoyers darauf abgehoben, dass ein anderer als der Angeklagte der Täter sein müsse und durch die Terrassentür ins Haus gelangt sein könne. „Letztendlich sagt die Terrassentür auch wenig über den Täter aus, maximal, dass es eben ein Bekannter war, der reingelassen wurde und sich nicht Zugang durch Aufbrechen verschaffen musste“, meint beispielsweise ein Diskussionsteilnehmer unter dem Pseudonym „obskur“.

Gestartet wurde das Forum am 26. Dezember 2013 um 17.49 Uhr von Diskussionsleiterin „shesielle“. Seither wird die Debatte von 138 All-Mystery-Mitgliedern verfolgt und sie wurde von 1312 Mitgliedern mindestens einmal gelesen. Nicht erfasst sind jene Beobachter, die sich gelegentlich auf die Seite geklickt haben. Viele Einträge stammen aus den ersten Tagen nach dem Doppelmord, als die Ermittler noch im Dunkeln tappten. Es wurden Parallelen zu anderen Fällen angestellt und Informationen ausgetauscht. Mit der Verhaftung des Verlers am 10. Februar und der Pressekonferenz von Mordkommission und Staatsanwaltschaft am 11. Februar 2014 gingen die Beiträge im Minutentakt ein.

Seit mehr als einem Jahr werden im Netz nun Theorien abgewogen, Indizien bewertet und das Verhalten des Angeklagten mit erstaunlicher Detailkenntnis analysiert. Gleichwohl: Die Schuldfrage hat am Donnerstag das Gericht zu beantworten.

Plädoyers

Staatsanwalt Christoph Mackel hat in seinem Plädoyer am 2. Februar eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen heimtückischen Mordes in zwei Fällen und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Er habe keinerlei Zweifel an der Schuld des Angeklagten, sagte Mackel. Die Verteidiger Dr. Carsten Ernst und Sascha Haring hingegen forderten am 18. Februar unisono einen Freispruch. Die Indizienkette reiche nicht, um die Schuld des Angeklagten zweifelsfrei zu belegen. Und jedes Indiz für sich genommen lasse sich unabhängig vom Mordgeschehen erklären. Die Positionen sind so gegensätzlich, dass bei einem Urteilsspruch mit einem Revisionsantrag der unterlegenen Seite zu rechnen ist.

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