Jason Bartschs Idee vom Klappen der Dinge
Unterhaltung mit Tiefgang verspricht der Musiker, Slammer, Comedian und Kabarettist Jason Bartsch beim Auftakt seiner Deutschlandtournee am Mittwoch, 15. Januar, in der Gütersloher Weberei.

Der Musiker, Stand-up-Comedian, Poetry-Slammer und Moderator ist einer,  der etwas zu sagen hat – und das am liebsten singt. Am Mittwoch, 15. Januar, startet er – begleitet von zwei Musikern – um 20 Uhr in der Gütersloher

Tickets für den Abend mit Jason Bartsch am Mittwoch, 15. Januar, ab 20 Uhr in der Gütersloher Weberei, Bogenstraße, gibt es noch im Internet unter www.die-Weberei.de. Restkarten sind an der Abendkasse erhältlich.
Weberei seine Deutschlandtournee. Passend zum  zweiten Album „Eine Idee vom Klappen aller Dinge“. Im Gespräch mit der „Glocke“ plauderte er über Hintergründe und Befindlichkeiten.

 „Die Glocke“: Herr Bartsch, sind Sie mit guten Vorsätzen ins neue Jahr gestartet?

Bartsch (lacht): Nein! Das war früher mal so. Ich habe 2019 schon mit dem Rauchen aufgehört und ernähre mich seit einem halben Jahr vegan. Ich bin quasi optimiert. Aber vielleicht sollte ich noch freundlicher werden.

 „Die Glocke“: Kann man sich das leisten, wenn man auch politisch-satirisch unterwegs ist?

Bartsch: Wenn die Welt politisch immer brutaler wird, müssen wir das Sophistisch-Soziale erst recht kultivieren. Die große Kunst besteht doch darin, bestimmt, aber höflich zu argumentieren. Das hat etwas mit Respekt zum Gegenüber zu tun. Ich jedenfalls möchte den Menschen auf Augenhöhe begegnen. Deshalb hinterfrage ich mich auch immer wieder selbstkritisch. Ehrlich.

„Die Glocke“: Was nicht gerade typisch ist für heutige Dampfplauderer im Rampenlicht.

Bartsch: Da gibt es sicherlich einige, deren Hochmut nicht gut tut. Dabei geht es gerade bei ihnen oft nicht über flache Parolen hinaus. Ich mag lieber die, die sich differenziert ausdrücken.

Vom Trash-Album zu tiefergehenden Texten

„Die Glocke“: Was unterscheidet Ihr aktuelles Album vom 2017 erschienenen Debütalbum „Bochum 4478“?

Bartsch: Vor allem die musikalische Qualität. Da hat sich viel entwickelt. Das erste Album habe ich allein in meiner Küche produziert, habe ihm bewusst einen Trash-Charakter gegeben. Das neue Album ist viel

Zusammen mit Bassist und Gitarrist stellt Jason Bartsch (Mitte) sein neues Album und Programm in Gütersloh vor.
komplexer, die Texte gehen tiefer. Früher habe ich auch alles selbst gemacht, einschließlich Booking und PR. Alles sollte meins sein, meine Handschrift tragen. Jetzt arbeite ich mit zwei professionellen Musikern, Schlagzeuger und Bassist, zusammen. Damit übernehme ich Verantwortung für sie, wobei ich kein Führungstyp bin. Ich arbeite lieber mit flachen Hierarchien. Trotzdem führt einen die Teamarbeit an einen Abgrund.

„Die Glocke“: In welchen Abgrund glauben Sie da zu schauen?

Bartsch: In ein tiefes, tiefes Tal des Zweifels. Man hat Angst, dass das Programm nicht funktioniert, dass man scheitert, dass das Publikum es nicht versteht oder nicht goutiert.

„Die Glocke“: Als was sehen Sie sich vorrangig – als Musiker, Slammer, Comedian oder Kabarettist?

Bartsch: Meine Wurzeln liegen im Poetry-Slam. Das ist nicht zu leugnen. Dort habe ich viel über Bühnenpräsenz gelernt. Aber zuallererst bin ich Musiker. Wobei das auch zu kurz greift. Ein Phänomen der Moderne ist doch, dass man mehr als nur eine Sache können darf. Ich will die Menschen unterhalten – mit Musik und Texten. Sie sind mir gleichermaßen wichtig. Ich habe viel zu erzählen, Dinge von politischer Natur, aber auch Anekdoten. Das gehört für mich zusammen. Ich will Unterhaltung mit Tiefgang verbinden, klare Kante gegen politische Fehler und Ungerechtigkeiten zeigen, emotionale Probleme aufzeigen und auch kalauern.

„Die Glocke“: Was inspiriert Sie?

Bartsch: Zeitungsberichte, Nachrichten und Bücher.

 „Die Glocke“: Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?

 Bartsch (lacht): Wenn Sie es nicht weitersagen: „Zen-Buddhismus und Psychoanalyse“ von Erich Fromm. Darin wird so schön erklärt, wie ein überintellektualisierter Kopf wieder emotionalisiert werden kann. Nicht, dass ich das bräuchte. Aber ich habe mich immer schon gefragt, was passiert wäre, wenn die Madeleines (französisches Feingebäck, Anm. d. Red.), denen Marcel Proust in seinem Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ zig Seiten widmet, einfach aufgegessen worden wären.

 „Die Glocke“: Und welche Musik mögen Sie?

Bartsch: Deutschsprachige und Pop-Musik. Ich liebe Coldplay. Die schaffen es immer, das Positive hervorzubringen. Damit holen sie mich ab und nehmen mich mit.

„Ich wäre ein guter Pflichtverteidiger geworden“

 „Die Glocke“: Sind Sie eher ein positiv gestimmter Mensch oder einer von der melancholisch-nachtragenden Sorte?

Bartsch: Nachtragend garantiert nicht. Man kann mit einem klärenden Gespräch alles regeln. Ich denke positiv, aber ich lasse mich nicht blenden. Ich sage und vertrete meine Meinung, ohne verbissen zu sein. Meine Freunde halten mich für empathisch.

„Die Glocke“: Was ärgert Sie?

Bartsch: Wenn etwas über meinen Kopf hinweg entschieden wird und jede Ungerechtigkeit. Ich wäre vermutlich ein guter Pflichtverteidiger geworden. Auf dem neuen Album gibt es einen Song, der ist mein ganz persönlicher Gegenentwurf zu Innenminister Seehofers verquerem Deutschlandbild. Und mit dem Lied „Marie“ wende ich mich gegen die Reduzierung der Frauen auf Busen und Schönheitsideale.

„Die Glocke“: Sie glauben, Sie können damit etwas verändern?

Bartsch: Ich kenne meinen Platz und meine Reichweite. Und ich bin nicht so naiv zu glauben, dass auf einen Schlag viel passieren kann. Trotzdem werde ich nicht aufhören, gegen undemokratische und entwürdigende Dinge anzugehen.

„Die Glocke“: Und was macht Jason Bartsch, wenn er nicht auf Tournee ist oder über neue Programme nachdenkt? Bartsch: Ich lese, schlafe und koche gern.

„Die Glocke“: Was kochen und mögen Sie am liebsten?

Bartsch: Erdnusssauce - in jeder Variation.

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