Jazz-Pianistin Aki Takase beeindruckt
Bild: Klostermeier
Aki Takase, japanische Jazz-Pianistin mit Wohnsitz in Berlin bot mit dem Klarinettisten Rudi Mahall ein beeindruckendes Konzert im Theater Gütersloh.
Bild: Klostermeier

 Das sah in der Praxis folgendermaßen aus: Die Künstler kamen auf die Bühne und Aki Takase trat sogleich ans Mikrofon, um mit unschuldiger Miene ihren Duo-Partner vorzustellen: „Er spielt immer sehr laut, aber auch sehr schön.“ Dieser gekonnt-unbeholfenen Art stand der redegewandte Mahall gegenüber, der – in Kombination mit seinem jungenhaft-schelmischen Auftreten - durchaus das Potenzial zum Comedian hätte. All dies war jedoch nur eine kleine Zutat zu einem rundum gelungenen Jazzabend, denn die Musik stand trotz launiger Ansagen jederzeit im Mittelpunkt des Geschehens.

Beeindruckend, wie die beiden Protagonisten ihre ausgefeilten Arrangements präsentierten, wie sie mit überlegener Technik glänzten und sich vor allem mit blindem Verständnis im Zusammenspiel fanden. Dabei wurde die Free-Jazz-Sozialisierung der Wahl-Berlinerin Takase ebenso deutlich wie Rudi Mahalls intensive Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik.

Was sich für alle Jazzfans, die keine Gelegenheit zum Konzertbesuch hatten, vielleicht nach schwer verdaulicher Kost anhört, mischten Takase und Mahall – die bereits seit 1995 zusammen musizieren – mit feinem Gespür zu anspruchsvollen Stücken. Es sind schöne Stücke, die trotz ihrer Ecken und Kanten dem aufmerksam lauschenden Publikum viel Spaß machten. All diejenigen, die beim Jazz gerade diese Ecken und Kanten faszinierend finden, kamen bei den Soli der beiden Musiker voll auf ihre Kosten. Grandios, welches Tempo Aki Takase mitunter anschlug und welche technischen Schwierigkeiten sie auf den Klaviertasten scheinbar mühelos zu meistern wusste.

Rudi Mahall hingegen brillierte vor allem auf der Bass-Klarinette, die er über weite Strecken des Abends wie ein Tenor-Saxofon klingen ließ. Er holte das volle Spektrum an Tönen und Geräuschen aus seinem Instrument heraus und ging dabei mitunter recht beherzt zu Werk. Welchem Besucher im Theatersaal wären da nicht Aki Takases mahnende Worte zu Beginn des Konzerts in den Sinn gekommen?

Die meisten Stücke, die die beiden spielten, waren Eigenkompositionen, die mit solch frech-ironischen Titeln wie „Zankapfel“, „KSC“ oder „Schwester Ingrid“ daherkamen. Die berührendsten Momente entwickelten sich jedoch immer dann, wenn das Duo beliebte Jazz-Standards kunstvoll skelettierte und ebenso neu zusammensetzte. Nicht nur Duke Ellingtons legendäres „Mood Indigo“ geriet dabei geradezu vortrefflich. Es gab viel Applaus.

SOCIAL BOOKMARKS