Jazz in Gütersloh ringt mit den Erwartungen
Bild: Pieper
Versucht Gütersloh weiterhin als Jazz-Stadt auch überregional zu etablieren: Heinrich Lakämper-Lührs.
Bild: Pieper

Man wollte erst genauere Zahlen haben. Die lieferte der Jazz-Verantwortliche Heinrich Lakämper-Lührs jetzt auf Anfrage der „Glocke“.

Neun Jazz-Konzerte hat es 2015 in der Stadthalle und im Theater gegeben, fünf davon waren europäischen Jazzlegenden wie Enrico Pieranunzi gewidmet. Insgesamt kamen 1600 Besucher – macht durchschnittlich weniger als 200 pro Konzert. „Unsere Erlös-Erwartung von rund 35 000 Euro hat sich trotzdem bestätigt“, betont Lakämper-Lührs. Dass gut ein Drittel des Publikums gegenüber 2014 weggebrochen ist, macht er nicht an der Auswahl der Musiker fest, sondern daran, dass man keine Mittel gehabt hätte, breitflächig und vor allem kostengünstig zu plakatieren. Mit den neuen Werbeflächen, die die Kulturräume wie berichtet jetzt anschaffen werden, soll dieses Manko abgestellt werden.

Acht Jazz-Konzerte sind für 2016 geplant. Nach dem Auftritt von Johanna Borchert im Januar, wagt Lakämper-Lührs bereits jetzt eine Steigerung von 40 Prozent im Einzelkartenverkauf zu prognostizieren – „durch den Vergleich mit Daten aus verschiedenen Vorjahren.“ Und auch bei den verkauften Abonnements – derzeit sind es 89 – macht er einen Aufwärtstrend aus.

Programm:

5. März: An dem Samstag findet das nächste Jazz-Konzert ab 20 Uhr im Theater Gütersloh statt. Erwartet werden die WDR-Big-Band, der französische Klarinettist Michel Portal, US-Pianist Richie Beirach und der deutsche Geiger Gregor Hübner. Das Konzert wird im Radio übertragen.

15. April: An dem Freitag kommt der norwegische Bassist Arild Andersen, Gründungsmitglied der „Jan-Gabarek-Group“ nach Gütersloh. Wie alle European Legends“ wird es eine CD-Einspielung seines Konzerts geben.

Karten:  Tickets im Vorverkauf für alle Konzerte gibt es in den „Glocke“-Geschäftsstellen und bei Gütersloh Marketing.

Was sich indes nicht erfüllt hat, ist die im Vorjahr noch geäußerte Hoffnung des Machers, dass sich sowohl das mehrtägige WDR-Jazz-Festival als auch die einzelnen Jazz-Konzerte auf die Tourismuszahlen in Gütersloh positiv auswirken. 2015 hatte Lakämper-Lührs noch auf zunehmende „Win-Win“-Situationen vertraut: „90 Prozent der Kosten fürs Festival fließen durch Hotelbuchungen und durch die von auswärtigen Besuchern genutzte Gastronomie sowie zusätzlich benötigte Handwerker und Techniker an Gütersloh zurück“, hatte er damals im Kulturausschuss geworben. „Das hat sich leider als Fehleinschätzung herausgestellt“, sagt er jetzt.

Ganz abgesehen davon, dass es aufgrund eines fehlenden zentralen Buchungssystems keine Besucher-Statistiken gibt, wäre es darüber hinaus mehr als schwierig, eventuelle Jazz-Fans herauszufiltern. Zudem haben die hiesigen Hoteliers bislang wenig Lust gezeigt, ein Übernachtungs-Jazzkonzert-Paket zu schnüren. Aus gutem Grund, würden sie doch dann automatisch als Reiseveranstalter gelten und reiserechtlich vollkommen anderen, für sie ungünstigeren Bedingungen unterliegen, erklärt Gütersloh-Marketing-Chef Jan-Erik Weinekötter. „Solche sogenannten ,gebündelten Leistungen‘ in nichttouristischen Gegenden anzubieten, ist immer schwierig.“

SOCIAL BOOKMARKS