Jeder erlebt seine persönliche Odyssee
Bild: Pötter
Reife, Schicksal, Heimat und Rückkehr: Diesen Themen widmet sich die inklusive Theatergruppe „Jeu dit“ der Bürgerbühne Gütersloh in ihrem Stück „Odyssee – Reise ins Ich“.
Bild: Pötter

Das von der Bürgerstiftung  unterstützte Projekt der Bürgerbühne Gütersloh, in Kooperation mit dem Theater, widmet sich der zehnjährigen Irrfahrt des Odysseus von Troja nach Ithaka und legt dabei zugrunde, dass jeder Odysseus ist und sich auf einer Reise zu sich selbst befindet – mit ungewissem Ausgang.

Die sieben gut aufgelegten Darsteller brachten am Donnerstag auf der Studiobühne des Gütersloher Theaters diese Reise in einer Stunde psychologisch auf den Punkt. In der Aufführung nach Motiven aus Homers „Odyssee“ geht es um eine Reise als Reifungsprozess, als Schicksal, als Sehnsucht, als Nicht-am-Ziel-ankommen. Im Fokus des modifi-zierten Stücks stehen aber auch Themen wie Rückkehr und Hei-matsuche. Kurz: Die szenische Präsentation, die gemeinsam mit den Teilnehmern aus der 2015 ins Leben gerufenen integrativen und inklusiven Theatergruppe erarbeitet wurde, zeichnet sich dadurch aus, dass sie neben den historischen auch viele auto-biografische Elemente enthält. „Wir schreiben die Geschichte weiter“, sagt der freischaffende Theaterpädagoge Josef Bäcker, der gemeinsam mit Christian Brouzeng-Lacoustille Regie führt. Letzterer zeichnet dabei für den musikalischen Rahmen verantwortlich.

In der Version der Bürgerbühne sind alle Darsteller Odysseus. Nachdem sich Nico und Ursula Kreké, Thomas Dukat, André Weber, Houssain, Rebwar und Sven Altemeier vorgestellt haben, nehmen sie direkt Kontakt mit dem Publikum auf. Small Talk hier, Geplapper da – dann geht es zurück auf die Bühne: „Wer kann segeln ohne Wind?“ – Odysseus und seine Gefährten kämpfen mit den Elementen und brechen erst in befreiendes Gelächter aus, als Land in Sicht ist. Gelandet sind sie beim Menschenfresser Polyphaeus. Nur mit einer List kommen die Männer frei. Der Zyklop wird geblendet. Die Griechen verlassen den ungastlichen Ort als blökende Schafe. Stationen im Palast des Adios, bei der Zauberin Circe, sie verwandelt die Flüchtlinge in Schweine, und in der Unterwelt: Rettung gibt es nur auf dem Schiff.

Davon können auch die zur Theatergruppe gehörenden Flüchtlinge berichten. Sie schildern die Strapazen der Flucht, erzählen von ihrer Angst und dem Glück, ihr Ziel Deutschland erreicht zu haben. „Man muss die Sprache lernen, um Arbeit zu finden“, erklärt Houssain. Am Ende der psychologischen Reise, die jeder auf seiner „Reise ins Ich“ macht, spielt auch der Raum mit: Passend zur Frage nach dem Zuhause, geht die Jalousie im Hintergrund der Bühne hoch und präsentiert einen Blick auf Gütersloh. Die Flüchtenden sind angekommen. Hier suchen sie eine Wohnung. Einer erklärt, dass Gütersloh der Ort ist, wo es den besten Schweinebraten gibt. Viel Applaus.

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