Jeder ist ein Mosaikstein der Gemeinschaft
Bild: Frielinghaus
Alle Plätze waren am Sonntag zum Auftakt der Gütersloher Vesperkirche in der Martin-Luther-Kirche besetzt. Noch bis Sonntag. 9. Februar, findet die Aktion statt.
Bild: Frielinghaus

Tritt man über die Schwelle der Kirche, ist eins ganz deutlich spürbar: Jeder ist willkommen. Und das zeigt auch der Blick in den Kirchenraum. Alle Plätze an den bunten Tischen in der Martin-Luther-Kirche sind besetzt. Es wird geplaudert und gelacht. Menschen, die sich im Alltag nie begegnen, sitzen zusammen, um eine gemeinsame Mahlzeit einzunehmen.

Die Vesperkirche ist ein Ort der Begegnung für alle Menschen der Gesellschaft, für Jung und Alt, gut Situierte und an den Rand Gedrängte, für Alteingesessene und neu Dazukommende.

Die Aktion findet täglich bis Sonntag, 9. Februar, in der Martin-Luther-Kirche am Berliner Platz statt. Die beiden Essensausgaben erfolgen täglich zwischen 12 und 14 Uhr. Es werden ein Gericht mit und eins ohne Fleisch angeboten. Zudem gibt es eine Nachspeise. Die Ausgabe der 300 Essen übernehmen pro Tag 45 ehrenamtliche Helfer. Sie bedienen die Gäste am Tisch.

Außer der Gemeinschaftsspeisung gibt es am Sonntag einen Eröffnungs- und Schlussgottesdienst sowie täglich Beratungsangebote, Musik und Kleinkunst, spirituelle Impulse wie Andachten und kurze Gebete. An den beiden Donnerstagen gibt es eine Abendspeisung. Zudem wird täglich ein kulturelles Abendprogramm angeboten.

„Die Kirche ist voll“

Es ist ein Konzept, das in Gütersloh funktioniert und auch zum Start der dritten Auflage gut angenommen wird. „Die Kirche ist voll“, sagt Pfarrer Stefan Salzmann erfreut. 300 Essen werden die ehrenamtlichen Helfer in den kommenden zwei Wochen pro Tag ausgeben.

Die warme Mahlzeit lässt am Sonntag jedoch auf sich warten. „Der Lkw, der das Essen bringt, wurde zugeparkt. Deshalb beginnt die Ausgabe heute eine Viertelstunde später“, sagt Dörte Sonnabend vom Steuerkreis der Gütersloher Vesperkirche. Obwohl die hungrigen Besucher ein wenig Geduld mitbringen müssen, bis Sauerbraten oder Gemüsebratlinge von den 45 Ehrenamtlichen serviert werden, ist die Stimmung gut. „Das ist der besondere Geist, den die Vesperkirche ausmacht“, sagt Dörte Sonnabend. Gemeint sind die Werte Geduld, Respekt und Dankbarkeit.

Halfen fleißig bei der Essensausgabe: Benedikt (links) und Jonathan.

Symbol der Gemeinschaft

Gemeinschaft können die Besucher bei der dritten Auflage der Vesperkirche nicht nur beim Einnehmen der Mahlzeit erleben. Diesmal gibt es eine kleine Kunstaktion. Aus bunten Glasmosaiksteinchen soll eine Vesperglasschale gefertigt werden. Durchgeführt wird die Aktion von Willi Repke, der in Rheda-Wiedenbrück ein Atelier für Glasgestaltung betreibt.

„Jeder darf ein Mosaiksteinchen in die runde Form legen“, sagt er. Wenn diese voll sei, werden die Mosaiksteinchen gebrannt und abgesenkt, sodass sie zu einer großen bunten Schale verschmelzen. Damit sei die Aktion in zweierlei Hinsicht symbolisch für die Gemeinschaft der Vesperkirche, erklärt Repke: „Die Menschen geben etwas dazu und können später auch etwas herausnehmen.“ Ist die Schale fertig, werden daraus Weintrauben serviert.

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