Joan Armatrading glänzt am Dreiecksplatz
Bild: Steinecke
Joan Armatrading sorgte für einen weiteren musikalischen Höhepunkt in der Woche der kleinen Künste.
Bild: Steinecke

Bevor es jedoch richtig losging, drohte die Veranstaltung buchstäblich ins Wasser zu fallen. Es schüttete wie aus Eimern. Aber Petrus hatte ein Einsehen mit Musikern und Publikum. Es klarte auf, und der Weg war frei für „Tinderbox“, das britische Pulverfass-Duo mit Monique Houraghan und Dan Tucker, die zusammen mit Michael Tucker und Bob Burke ein kleines, aber feines Folk-Feuerwerk zündeten. Während die Sängerin mit ihrer zart-tragenden Stimme überzeugte, faszinierte Dan Tucker mit seinem virtuosen Spiel auf der Akustik-Gitarre.

Es war die passende Einstimmung auf jene Künstlerin, die sich auch nach mehreren Jahrzehnten im Rampenlicht nicht auf einen Stil festlegen lässt. Ihr Blues wirkt jazzig, ihr Jazz kommt folkig oder poppig daher und ihre Reggae klingt rockig: Joan Armatrading. Volker Wilmking als Programmmacher forderte uneingeschränkte Aufmerksamkeit für die mehrfach Grammy-nominierte Musikerin: „Das ist schließlich Kunst, was hier auf der Bühne passiert“, forderte er die Anwesenden auf, die Bier- und Imbisszone zu verlassen, um Joan Armatrading ohne störende Nebenbeschäftigung und ablenkenden Small Talk genießen zu können.

Als sich schließlich alle im „sakralen Dreieck“ versammelt hatten, schlug die Stunde der fotoscheuen Sängerin und Gitarristin. Wilmking hatte im Vorfeld gebeten, keine Fotos zu machen. Abtrünnige in den ersten Reihen wurden von der Armatrading-Crew prompt mit dem Laserpointer markiert und mit einem energischen „No fotos“ wieder in die Spur gebracht.

Derart unbehelligt präsentierte Armatrading dann gemeinsam mit John Giblin (Bass), Spencer Conzens (Keybord) und Gary Foote (Drums) das ganze Spektrum ihrer musikalischen Vielseitigkeit. Funk, Soul, Blues, Jazz - sie kann alles. Wenngleich sie anfangs einen leicht desorientierten Eindruck machte und drei Lieder brauchte, um ihren Standard zu finden. „Single Life“ und „Close To Me“ kamen von ihrem neuen Album „Starlight“, das sehr jazzig ausgefallen ist, und vorrangig von ihrer warmen, nach oben raus luftigen Stimme getragen wird. Das Publikum nickte anerkennend.

 Die erste Mitwink-Aktion aber kam erst beim guten alten „All The Way From America“ und bei ihrem Hit „Love & Affection“. Auch das melodische, titelgebende „Starlight“ vom neuen Album kam gut an. Getragen von dem ihr wohlgesonnenen Publikum, wurde Armatrading zunehmend lockerer und lieferte mit „Drop The Pilot“ das erwartete Muss an Zugabe. Mit ihren filigranen „Summer Kisses“ verabschiedete sie ihre Fans in eine vom Regen durchtränkte Sommernacht.

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