Jung-Habichte wachsen prächtig heran
Die Jungvögel fühlen sich in ihrem Nest wohl. Seit mehr als 20 Jahren züchtet Paul Brown Habichte. 

Auf eine Frage hat der 62-jährige gebürtige Jamaikaner aber bis heute keine Antwort gefunden. „Warum lässt sich ein wilder Vogel, der gelernt hat, durch die Jagd selbst für sich zu sorgen, zähmen? Warum kommt er immer wieder freiwillig zurück zu mir?“ 1974 hat Paul Brown seinen ersten Greifvogel zu sich genommen. Als junger Soldat auf der Insel Malta stationiert, rettete er Sandy, ein Turmfalken-Weibchen, vor den Jägern. Die Vogeljagd galt dort lange als Volkssport. Er habe versucht, so viele Vögel wie möglich zu retten, erzählt Brown. Sandy wuchs ihm so sehr ans Herz, dass er sie heimlich nach Großbritannien schmuggelte, als er mit seiner Einheit zurückmusste. „Ich musste 50 Pfund Strafe zahlen und 10 Pfund Gerichtskosten“, erinnert sich Brown schmunzelnd, was passierte, als schließlich ein Vorgesetzter den Greifvogel in der Kaserne entdeckte.

Richtiger Zeitpunkt für die Paarung

Um später in Deutschland als Falkner auf Beizjagd – so heißt die Jagd mit Greifvögeln – gehen zu dürfen, legte er seinen Jagdschein ab, dann den Falknerschein. „Und dann wollte ich auch wissen, wie die Zucht funktioniert“, sagt Brown. Habichte seien als Wildtiere Einzelgänger. „Sie kommen nur zur Paarung zusammen.“ Bei der Zucht sei es deshalb unerlässlich, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, wann das Männchen zum Weibchen gelassen werden darf. „Lasse ich die Vögel zur falschen Zeit in eine Voliere, tötet das Weibchen das Männchen. Und direkt nach der Paarung müssen die Tiere wieder getrennt werden.“ In diesem Jahr zieht Vossi, eine inzwischen erfahrene Habicht-Mutter in Paul Browns Anlage, vier Jungtiere auf. Das Erste sei am 21. Mai geschlüpft, sagt Brown. Weitere Küken folgten in den Tagen danach. Das Schlüpfen weiterer Vögel erwartet Brown für die nächsten Tage. Wenn der Falkner sich den Tieren nähert, ahmt er den Laut der Habichte nach. Vossi nimmt die tote Taube vorsichtig aus seiner Hand. Dann gibt sie das Futter an die Jungvögel weiter, während Brown direkt neben dem Nest stehen und zusehen darf. Nähert sich dagegen ein Fremder, schlägt das Habichtweibchen nervös mit den Flügeln, macht sich groß und gibt unübersehbar zu erkennen, dass ein weiterer Zuschauer in der Nähe ihres Nachwuchses nicht willkommen ist.

Das erste Absetzen ist schwierig

Die Ausbildung der Jungvögel beginnt, wenn sie etwa zehn Wochen alt sind. Zunächst werden sie in einer Außenvoliere untergebracht, erzählt Paul Brown. Dort könnten sie sich an die Umgebung gewöhnen, an Geräusche, Bewegungen, Fahrzeuge und Menschen. Die anschließende Entwicklungsphase, in der die Vögel in der Natur von den Eltern auf die Jagd vorbereitet würden, nutze er, um die jungen Habichte an seine Hand zu gewöhnen. „Abtragen“ heißt das in der Fachsprache der Falkner. „Die schwierigste Trainingseinheit ist das erste Absetzen des Vogels und die Bemühung, dass er zu mir zurückkommt“, erklärt Brown. Zuvor werde der Habicht immer wieder mit der Hand gefüttert. Das Tier verknüpfe den Handschuh des Falkners mit der Gabe von Futter. „Wenn ich ihn dann zum ersten Mal absetze, mich etwa einen Meter weit entferne und er kommt dann zurück, gelingt in der Regel auch das immer weitere Entfernen“, sagt Brown.

Auf Zuruf kehrt Wilma zurück

Sein Lieblingsvogel Wilma benötige gar kein Futter mehr. Brown weist auf ein Waldstück, einige hundert Meter von seiner Zuchtanlage entfernt. „Wenn Wilma dort in den Bäumen sitzt und ich sie rufe, kommt sie zu mir zurückgeflogen. Sie ist ein ganz besonderer Vogel.“ Bis zur Jagdsaison im Herbst steht für Brown aber die Aufzucht der Jungvögel im Vordergrund. Vier- bis fünfmal am Tag sieht er nach den Tieren. Und vergisst in seiner Begeisterung schon mal die Zeit. „Es gibt Tage, da sehe ich in die eine und die andere Voliere, beobachte die Vögel und wenn ich auf die Uhr schaue, sind plötzlich fünf Stunden vorbei.“

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