Junge Stimmen jauchzen und frohlocken
Bild: Heumüller
Deutlich verjüngt präsentierte sich der Gütersloher Bachchor beim Weihnachtskonzert in der Martin-Luther-Kirche.
Bild: Heumüller

Völlig überraschend erschienen die Komponisten indes nicht, kennzeichnen sie doch der Sänger erklärte Absicht, Tradition und Fortschritt zusammenzuführen. Vor diesem Hintergrund kommt auch dem aktuellen Generationswechsel besondere Bedeutung zu.

Der Anteil jugendlicher Stimmen war am Sonntag in der Martin-Luther-Kirche unüberhörbar: Junge Sänger klingen in der Interpretation zeitgenössischer wie alter Chorwerke eben anders als reifere Stimmen mit 30 Jahren Erfahrung, den Messias, das Weihnachtsoratorium oder die Matthäuspassion im traditionsreichen Gepäck. Verständlicherweise gibt es für Bothmann da noch manches zu justieren. Aber die Weichenstellung ist irreversibel.

Das Programm unter den drei Leitgedanken „Adveniat“, „Magnificat anima mea“ und „Christus natus est“ war von einem dichten Geflecht musikalischer und biografischer Bezüge geprägt, die nur angerissen werden können. Am Beispiel von Distlers Weihnachtsgeschichte sei dies verdeutlicht. Formal greift er auf Schütz zurück und vertont auch zwei seiner markanten Texte: „Also hat Gott die Welt geliebt“ sowie „Das Volk, so im Finstern wandelt“. Ähnliches gilt für Distler und Praetorius, dessen bekanntestes Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“ sich in mehreren Variationen durch Distlers Weihnachtsgeschichte zieht. Die Reihe ließe sich noch fortsetzen.

 Mit Bachs Pastorella (BWV 590) stimmte Bothmann auf der Orgel auf den Abend ein. Thomas Pauschert begleitete den Chor fallweise am Orgelpositiv. Johann Pachelbel, Melchior Vulpius, Melchior Franck und Michael Prätorius bildeten den Gegenpol zu den Komponisten des 19. und 20 Jahrhunderts. „Es ist ein Ros entsprungen“, exakt in die Mitte des Mittelteils gerückt, bildete den Dreh- und Angelpunkt des Konzerts. Im Satz von Michael Praetorius wurde klar, warum es für viele als das Weihnachtslied schlechthin gilt. Die musikalische Ausdeutung des heilsgeschichtliche Aspekts in stark metaphorisch geprägter Poesie ist bis heute unübertroffen geblieben. Der Bachchor ließ daran keinen Zweifel aufkommen. Der Applaus war überwältigend. Zwei Zugaben bot der Chor: Mendelssohns „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ und „Es ist ein Ros entsprungen“ – Was sonst?

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