Kabarett der Marke Etikettenschwindel
Bild: Hein
Der Name täuscht: Die aktuelle Münchner Lach- und Schießgesellschaft bot Comedy statt wie früher bestes Polit-Kabarett.
Bild: Hein

Sie stellte sich am Donnerstag im kleinen Saal der Gütersloher Stadthalle mit ihrem aktuellen Programm „Exitenzen“ vor. Alles ohne Bezüge zur Politik, ohne spontane Seitenhiebe auf gegenwärtige Entwicklungen. Geboten wurde eher eine zeitlose Konserve mit manchmal absurdem Klamauk und schnellen, modernistischen Szenenwechseln.

„Wie geht s jetzt weiter?“ In der Reihe Schlado als „großer Name mit jungen Menschen“ angekündigt, stellten die Lach- und Schießgesellen eine Eingangsfrage, die sich auch auf die Zukunft des Kabaretts beziehen könnte und in diesem Genre inzwischen von anderen Satirikern beantwortet wird: Dieter Nuhr, Torsten Sträter und Carolin Kebekus legen die Messlatte hoch und machen vor, wie bissig, witzig und spontan die Welt von der Bühne aus betrachtet werden könnte. „Lach- und Schieß“ ist stattdessen auf der Suche nach der Mitte, befasst sich mit Helikoptereltern und der Sesamstraße, mit Air Berlin, einem Hefezopf und selbst gemachter Marmelade.

Dabei ist das Ensemble mit Norbert Bürger, der einen Hälfte des inaktiven Musik-Comedy-Duos Bürger-Kreitmeier, einer dadaistisch schrill aufgelegten Caroline Ebner sowie Sebastian Rüger und Frank Smilgies vom Comedy-Duo Ulan & Bator nicht schlecht besetzt. Es bietet phasenweise auch ansprechendes Schauspiel. Smilgies etwa, in der Rolle seines gleichnamigen Soloprogramms als „Gordon Brettsteiger“, kopiert Donald Trump sprachlich unverwechselbar oder lässt Altkanzler Helmut Schmidt entspannt Ratschläge erteilen. Auf feinsinnige Art ist das lustig. Immer wieder rockt Gitarrist Bürger nach Leibeskräften, und Sebastian Rüger trommelt manchmal wild.

Aber die Münchner Lach- und Schießgesellschaft bleibt bei „Exitenzen“ hinter ihren Möglichkeiten. Ihr Weg zwischen Comedy und Politsatire ist holprig, unverständlich und zerstückelt. Das eigentliche Leitthema, der Verfall Europas nach Brexit, Grexit, Ungrexit und Plexit wird vom Gütersloher Publikum nicht mitvollzogen. „Exitopia“, das verbleibende Resteuropa, wirkt wie an den Haaren herbeigezogen. Der Auftritt unter dieser großen Marke des deutschen politischen Kabaretts kommt als Etikettenschwindel daher. Ein Namenswechsel und damit ein klareres Bekenntnis zur Comedy-Branche würde dem Ensemble gut anstehen.

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