Kindertagesstätte weicht Wohnungen
Bild: Dinkels
Die Tage sind gezählt: Der Mietvertrag für die Kindertagesstätte am Bachschemm läuft Ende des Jahres aus. Danach wird das Gebäude abgerissen. Die Evangelische Kirchengemeinde baut dort eine Wohnanlage für junge Menschen mit Handicaps.
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In dem dreigeschossigen und barrierefreien Neubau sollen vor allem junge Menschen mit körperlichen Handicaps eine Wohnung finden („Die Glocke“ berichtete). Das vom Architekten Reinhard Michel geplante Gebäude wird in einem Winkel auf das rund 2000 Quadratmeter große Gelände gesetzt, so dass auf der dem Bahndamm abgewandten Seite ein Innenhof entsteht. Geplant sind 23 Wohnungen mit Flächen zwischen 48 und 81 Quadratmetern.

Die Gemeinde will damit nach Angaben von Pfarrer Andreas Walczak-Detert erschwinglichen Wohnraum für junge Menschen schaffen, die es sonst auf dem Wohnungsmarkt schwer hätten. Dafür nimmt die Kirchengemeinde gut 2,7 Millionen Euro in die Hand. Abriss und Baubeginn sind laut Walczak-Detert für die erste Jahreshälfte 2017 geplant, die Fertigstellung für 2018.

Für das Bauvorhaben muss der Bebauungsplan geändert werden, was der Planungsausschuss in seiner Sitzung am Montag, 31. Oktober, beschließen soll (17 Uhr, Ratssaal). Die Stadtverwaltung befürwortet die Pläne trotz des problematischen Lärmschutzes nahe dem Bahndamm der Strecke Dortmund-Hannover.

Insbesondere die Abteilungen Gesundheit sowie Bauen, Wohnen Immissionen des Kreises hatten in ihren Stellungnahmen Bedenken wegen des Lärms geäußert. Grenzwerte im Außenbereich würden durch den Zugverkehr nachts um bis zu 31 Dezibel überschritten. Schlafräume und andere „schutzbedürftige Aufenthaltsräume“ müssten auf der bahnabgewandten Seite angeordnet werden. Technisch sei es möglich, durch passiven Schallschutz und eine Lüftungsanlage das Bewohnen „gesetzeskonform“ zu machen. Aber „zusätzlich sollte jeder Einzelne sich die Frage stellen, ob man selber in Räumen leben will, die durch eine zentrale Hauslüftungsanlage oder durch eine Querlüftung oder durch eine schallgedämmte Lüftungsöffnung mit Sauerstoff versorgt werden müssen, weil ein Wohnen mit geöffnetem Fenster auf Dauer gesundheitsschädigend ist“.

Die Stadtverwaltung setzt andere Prioritäten: Das Grundstück liege günstig innerhalb des Stadtgebiets. Aufgrund der Nähe zur Innenstadt seien zahlreiche Einrichtungen des öffentlichen Lebens wie Stadtbibliothek, Theater, Kino, Weberei, kirchliche Einrichtungen sowie Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie und Dienstleistungen in fußläufiger Entfernung erreichbar. Gerade für die Zielgruppe könne durch diese Standortwahl ein hohes Maß an eigenständiger Lebensführung auch außerhalb der Wohnung ermöglicht werden. Dahinter trete der Schallschutz zurück.

Weitere Informationen am Montag in der Gütersloher Ausgabe der „Glocke“.

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