Kirche fragt, was Christen wünschen
Bild: Bojak
Gehört zur Steuerungsgruppe: Pastor Dirk Salzmann hofft auf eine hohe Beteiligung an der Umfrage.
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Jeder, der sich für die Zukunft der katholischen Kirche interessiert, darf angeben, wie sein Traum von einer modernen Kirche aussieht – und auch der Albtraum. „Eine Befragung in diesem Umfang hat es meines Wissens noch nicht gegeben“, sagt Pastor Dirk Salzmann, einer der fünf Priester des Pastoralen Raums Gütersloh. Er leitet auch die Steuerungsgruppe, die sich gebildet hat, um die Organisationseinheit Pastoraler Raum mit Leben zu füllen.

Bedürfnisse der Menschen in den Blick nehmen

„Wir Priester haben von Erzbischof Hans-Josef Becker den Auftrag erhalten, unser Tun an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten“, sagt Salzmann. So sei die Idee entstanden, die Menschen in Gütersloh direkt zu fragen, wie sie sich eine Kirche vorstellen, zu der sie sich zugehörig fühlen könnten, in der sie Freude hätten, mitzuarbeiten. „Wenn ich einen Gottesdienst mit vielleicht 100 Gläubigen feiere, weiß ich nicht, was jeden einzelnen bewegt“, erläutert Salzmann. Das sei aber wichtig für seine Arbeit, betont er.

Priester arbeiten im Team

Früher sei es in den einzelnen Gemeinden die Regel gewesen, dass der Pfarrer die strategische Linie vorgegeben habe. Die sei dann – mal mit mehr, mal mit weniger Beteiligung der Ehrenamtlichen – umgesetzt worden. Mit dem Zusammenschluss der Pfarrgemeinden zu einem Pastoralen Raum mit mehreren Geistlichen, die für diesen Raum zuständig sind, habe sich die Struktur deutlich verändert. „Wir sind jetzt ein Team aus Priestern“, sagt Salzmann. „Wir müssen uns abstimmen, wie wir uns im pastoralen Handeln ausrichten wollen.“ Dazu sei die Beteiligung der Gläubigen unerlässlich.

Umfrage auch online

Um nicht nur Meinungen von Frauen und Männern zu erhalten, die sich sowieso schon aktiv in ihrer Kirchengemeinde engagieren, hat sich die Steuerungsgruppe für eine Umfrage entschieden, die auch im Internet ausgefüllt werden kann. Dabei gehe es um spontane Reaktionen auf die Fragen nach einer Traumkirche, einer Albtraumkirche und nach einer Vision von einer Kirche, die neu gegründet werden könnte. „Es ist eine Aufgabe, die eher Herz und Seele ansprechen soll, als den Verstand“, erläutert Salzmann.

Menschen interessieren sich noch für Kirche

Er hofft auf eine hohe Beteiligung. Dass sich immer noch Menschen für Kirchenarbeit interessieren, sei auch an der Zusammensetzung der Steuerungsgruppe zu erkennen. Er selbst und Pfarrer Elmar Quante als Leiter des Pastoralen Raums gehören dazu sowie Mitglieder aus Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat, zählt Salzmann auf. Ein Mitglied Gruppe habe gar keine Bindung zur Kirche. Ihm gehe es aber darum, daran mitzuarbeiten, dass christliche Werte wieder eine größere Bedeutung in der Gesellschaft bekämen.

Fragebögen in den Gottesdiensten verteilt

Am vergangenen Wochenende haben die Priester des Pastoralen Raums in den Gottesdiensten keine Predigt gehalten. „Stattdessen haben wir erklärt, was wir vorhaben und dann die Zettel mit den Fragen verteilt“, berichtet Pastor Salzmann. Jeder habe einen Stift dazu bekommen und hätte sich einige Minuten Gedanken zu den Fragen machen können. „Ich habe in meinem Gottesdienst 100 Bögen verteilt. 45 sind zurückgekommen.“ Das sei eine gute Quote. Und die Gläubigen haben spontan geantwortet: Eine offene Kirche, eine Gemeinschaft zu der jeder leicht Zugang finde, hätten sich die einen gewünscht, nennt Salzmann Beispiele. Mehr junge Menschen im Gottesdienst und jeden Sonntag eine Messe sei der Traum anderer. „Und dass gelebt wird, was gepredigt wird“, sagt Salzmann mit einem Schmunzeln. „Das ist ein Klassiker.“

Präsentation am 24. November

Antworten auf die Frage, wie eine Albtraumkirche aussehe, dürften dem Geistlichen zu denken geben. „Ist schon da“, lautet eine Aussage, „so, wie sie jetzt ist“, eine andere. Bis zum 30. September können Interessenten die Fragen zu ihrer Vision von Kirche beantworten. Dann werden die Ergebnisse zusammengetragen. Am Samstag, 24. November, werden sie in einer Veranstaltung von 9.30 bis 14 Uhr vorgestellt. „Wo die Präsentation stattfindet, ist noch nicht entschieden“, sagt Dirk Salzmann. Er wünscht sich für die besondere Aktion einen besonderen Ort. Mehr will er noch nicht verraten. Wer an der Befragung teilnehmen möchte, findet den Link im Internet auf der Seite des Pastoralen Raums Gütersloh.

http://www.pr-gt.de/startseite/

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