Kirchen beklagen Mitgliederschwund
Foto: Dinkels
Kirchenaustritte plagen auch die Gütersloher Kirchengenmeinden. Das Bild zeigt die St.-Pankratius-Kirche.
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Was sind die Gründe, und was ist zu tun? Diese Zeitung hat nachgefragt.

„Das Austrittsniveau hier in der Großstadt Gütersloh ist fast identisch mit den Prozentzahlen des Bundesgebiets“, sagt der katholische Pfarrer Elmar Quante, Vorsitzender des hiesigen Pastoralen Raums. „Das geht durch alle Altersschichten. Es gibt auch über 75-Jährige, die austreten. Aber es sind nicht unsere Kirchgänger, die uns verlassen haben.“

Die Aufdeckung von Missbräuchen und der Umgang mit kirchlichem Vermögen – Kritikpunkte, die mit „vor Ort“ gar nichts zu tun hätten, so Quante – seien zwar Anstöße gewesen, den Schritt zu vollziehen, aber es handele sich meistens um einen „schleichenden Prozess“. Bei den Ausgetretenen handele es sich um Menschen, die „keine Beziehung zur Glaubensgemeinschaft hätten“, so der Pfarrer. Oft sei es nach der Taufe im Elternhaus versäumt worden, den Kindern den Zugang zum Glauben zu öffnen.

Auch in Altersheimen höre man, wenn dort einmal im Monat eine Messe gefeiert werde, die Frage: „Wir waren noch nie in der Kirche, warum jetzt?“

Jeder Katholik, der ausgetreten sei, bekomme einen Brief, in dem darum gebeten werde, Gründe für die Entscheidung zu nennen. „Wir haben sehr wenige Rückläufe“, so Elmar Quante. Konzepte gegen die negative Entwicklung zu finden, sei schwierig. „Denn wen es nicht interessiert, der befasst sich auch nicht damit.“ Trotzdem investiert das Pastoralteam viel Zeit im Kontakt mit den Kommunionkinderfamilien, den Firmbewerbern und Brautpaaren. Im direkten Kontakt mit den Menschen sei es möglich, das Positive des Glaubens und der Glaubensgemeinschaft zu vermitteln.

Kontakte aufbauen und Kontakte pflegen sowie viel Mühe in die Amtshandlungen von Taufe über Heirat bis hin zu Trauerfeiern investieren – darauf setzt Pfarrer Eckhard Heidemann, der Vorsitzende des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Gütersloh (Foto). Die Anzahl der hiesigen Austritte bewege sich zwar auf einem niedrigeren Niveau als im gesamten Bundesgebiet, doch „das schmerzt selbstverständlich auch.“

Heidemann: „Es gab Zeiten, da war es nicht gesellschaftsfähig, aus der Kirche auszutreten, doch das hat sich massiv gewandelt.“ Es sei auffällig, dass etliche junge Menschen dann austräten, wenn sie nach der Ausbildung eine Stelle bekämen. Sollten sie feststellen, dass sie für etwas zahlten, von dem sie nichts hätten, sei das ein Grund auszutreten.

Notwendig sei es, so Heidemann, die althergebrachte „Komm-Struktur“, also etwas anzukündigen und zu warten, bis jemand erscheint, in eine „Geh-Struktur“ umzuwandeln. Das bedeute, aktiv auf die Menschen zuzugehen und in Jugendarbeit zu investieren. „Und das gelingt in Gütersloh sehr gut.“

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