Klärwerk experimentiert mit Aktivkohle
Der Technische Geschäftsführer Hubert Burbaum zeigt das Filterbe cken und ein Glas mit Aktivkohle, die im Klärwerk Obere Lutter zur  Filterung eingesetzt wird. Rechts der Zweckverbandsvorsitzende Detlef Helling. Bilder: Dinkels

 Der Versuch war so erfolgreich, dass die Anwendung ausgeweitet werden soll. „Unser Abwasser wird dadurch sauberer“, verspricht Verbandsvorsteher Detlef Helling, zugleich Bürgermeister der Stadt Bielefeld. Ziel ist es, den CSB-Wert (Chemischer Sauerstoff-Bedarf) und den Phosphor-Wert im Abwasser zu verringern und bestimmte Stoffe herauszufiltern. Auch andernorts wird zu diesem Zweck mit pulverisierter Aktivkohle gearbeitet.

Die Verwendung in granulierter Form ist laut Hubert Burbaum, Technischer Leiter des Klärwerks, bisher aber neu. Das Land NRW trage deshalb 80 Prozent der Projektkosten in Höhe von insgesamt 250 000 Euro. Projektpartner sind die Bezirksregierung, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wasser (Mühlheim), Hydro Ingenieure (Düsseldorf) und die Firma Jacobi Carbons (Frankfurt/Main).

Am Ende des Reinigungsprozesses durchläuft das Abwasser eine Flockungsfiltrationsanlage. Eine der insgesamt zehn Filterkammern wurde Ende Januar 2,5 Meter hoch mit insgesamt 100 Kubikmeter granulierter Aktivkohle befüllt. Täglich wurden seither Zu- und Ablauf des Filters auf bestimmte Spurenstoffe untersucht.

Ein Ergebnis: Der CSB-Wert im Abwasser ließ sich im Mittel auf die Hälfte reduzieren bei einem wirtschaftlich vertretbaren Aufwand. Beim Phosphor-Wert gelang das geringfügig. Die Belastung der Lutter mit Mikroschadstoffen wurde verringert.

Helling und Burbaum gehen davon aus, dass sich allein durch die Vermeidung erhöhter Abwasserabgaben bei Grenzwertüberschreitungen der Materialeinsatz von etwa 60 000 Euro für die Kohle rechne. Sie wollen das Verfahren deshalb auf mehrere Filterkammern ausweiten und noch dieses Jahr einen weiteren Förderantrag beim Land einreichen.

Wegen Grenzwertüberschreitungen im Abwasser des Klärwerks habe der Zweckverband zwischen 1999 und 2009 mit einer Ausnahme regelmäßig eine erhöhte Abwasserabgabe zahlen müssen im Höhe von insgesamt 1,85 Millionen Euro. „Als Einleiter wurde eindeutig die Firma Zimmermann lokalisiert“, so Helling. Seit 2005 habe die Stadt Gütersloh deshalb etwa eine Million Euro an den Verband zurückgezahlt. Seit Zimmermann 2009 eine neue Anfallbehandlungsanlage in Betrieb genommen habe, habe sich die Lage verbessert. Seit 2010 seien keine Überschreitungen mehr festgestellt worden.

Mehr lesen Sie am Donnerstag in der „Glocke“.

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