Klassik für die Facebook-Generation
Bild: Pieper
Fulminantes Crossover weiß die klassische Band "Spark" zu bieten.
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Das klassische Quintett mit der Attitüde einer (gemäßigten) Rockband,  brachte den Güterslohern am Donnerstag in einem furiosen Meisterkonzert die Flötentöne – und manch anderes – bei. Die fünf jungen, just mit dem „Echo“-Klassik-Preis ausgezeichneten Musiker sind angetreten, kammermusikalische Grenzen zu sprengen. Klassik für die Facebook-Generation. Das überraschend aufgeschlossene Meisterkonzert-Publikum ließ sich nur zu gern mitnehmen auf eine musikalisch intelligent geplante 24-Stunden-Reise durch die Metropolen dieser Welt. „Downtown Illusions“ nennt die Band ihre groovende Großstadtsinfonie. Da findet das Rennen, Rasen und Hasten in Kenji Bunchs morgendlicher „Rush Hour“ seinen prompten Widerhall im Zerren, Zupfen und Schlagen der Violin- und Cellosaiten, im wilden Klavier-Stakkato und in getriebenen Flötentönen. Nur eine kurze Atempause gewährt Gabriel Faurés romantisches „Apres un reve“, ehe man kopfüber in den „Melting Pot“ russischer, englischer und irischer Volksweisen stürzt, die in Lev „Ljova“ Zhurbins temperamentvoller Klezmer-Hommage „Budget Bulgar“ endet. Weltmusik im Boomtown-Takt. Ungeniert paart „Spark“ den eindringlichen, für die Streicher extrem hoch angelegten modernen „Meteor“ von Johannes Motschmann mit der elegischen Bach-Sonatina, beschwört die hereinbrechende Nacht mit Eingängigem von Filmkomponist Michael Nyman („Jack“) und Vivaldis verführerischem Concerto No. 2 g-Moll. Und am Ende tummelt sich das durchweg auch solistisch virtuose Quintett in Chiel Meijrings „Harde Puntjes“. Musik gewordene Party. Das Leben will gefeiert werden. Es ist die offensichtliche Lust am fulminanten Crossover, die „Spark“ so faszinierend macht. Grandios diese Parforcejagden, die Mischa Cheung dabei mit jazzigem Esprit am Klavier liefert, facettenreich das temperamentvolle Spiel von Stefan Glaus (Violine/Viola) und Victor Plumettaz (Cello). Und schlichtweg grandios, was Daniel Koschitzki (als Bandleader) und Andrea Ritter ihren 22 Blockflöten (von der winzigen Sopranino bis zur raumgreifenden Kontrabassflöte) zu entlocken wissen. Hat das gemeinhin als schnöde verkannte (Kinder-)Instrument je eine höhere Wertschätzung erfahren? Klassik kann so cool sein.

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