Klassikfreunde trotzen dem Wetter
Trotz kalter Winde gut aufgelegt: die Westfälische Kammerphilharmonie unter der Leitung von Malte Steinsiek bei ihrem ersten Open-Air-Konzert im Parkbad.  Bild: Gans

Wirbelnde Winde, herbstliche Temperaturen und am Ende auch ein paar Regentropfen setzten den rund 50 Musikern und den immerhin gut 500 Besuchern auf der Wiese hinter dem Schwimmbecken ziemlich zu. Doch fast trotzig hielten Ausübende und Gäste den Wetterkapriolen stand.

 

Dabei ließ Steinsiek, vielleicht auch, um die Elemente nicht allzu sehr anzugehen, die Tänze der Najaden und Tritonen und vom Windgott Aeolus aus Georg Philipp Telemanns Suite „Hamburger Ebb’ und Flut“ eher gemäßigt im Ausdruck, als temperamentvoll zu musizieren. Doch diese Zurückhaltung, die man seit der Originalklangbewegung in der Barockmusik gar nicht mehr kennt, war recht geeignet, den feingesponnenen Zauber von E.T.A. Hoffmanns Ouvertüre zur selten gespielten Oper „Undine“ klangsensibel herauszustellen. Dort waren Steinsiek und seine Kammerphilharmoniker in ihrem Element – und sollten es bis zum Finale bleiben.

Zwei Solisten aus dem Orchester waren an diesem Abend zu hören. Yoku Uenomoto spielte Jacques Offenbachs „Träumerei am Meeresstrand“ mit ausdrucksvoll-sehnsüchtigem Ton. Das nur mit Streichern und Solo-Viola licht besetzte und transparent gespielte „Summer Seascape No. 2“ des amerikanischen Neo-Romantikers Howard Hanson hielt indes den Bratschisten Andres Mehne zunächst intonatorisch deutlich unter Spannung.

Wunderbar melodienselig und entsprechend mit schwärmerischer Emphase gespielt, legte sich die Westfälische Kammerphilharmonie unter Malte Steinsieks animierendem Dirigat mächtig für Max Bruchs Einleitung zur Oper „Die Loreley“ ins Zeug. Und wer kam nicht in Claude Debussys in weichen Harfenakkorden getränkter Bootspartie aus der „Petite Suite“ ins Schwärmen – um sich anschließend den Mantelkragen fröstelnd noch höher zu ziehen.

Mit den letzten Tönen von Frederick Delius’ „By the River“ kamen die ersten Tropfen vom Himmel, was Heerscharen von Besuchern in Bewegung setzte. Die andere Hälfte, die ausharrte und die Musiker mit verdientem Beifall feierte, wurde mit Eric Coates „On the Edge of a Lake“ und Juventino Rosas grandiosem Kurpark-Walzer „Sobre las olas“ („Über den Wellen“) beschenkt.

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