Kundgebung für den Erhalt von Karstadt
Foto: Schneider
Traurig, frustriert und wütend: Nadine Oguz arbeitet seit 23 Jahren bei Karstadt. Nun bangt sie um ihre Existenz. Am Samstag versammelten sich rund 100 Bürger bei einer Kundgebung, um gegen die Karstadt-Schließung zu demonstrieren.
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 Viele Mitarbeiter verbinden eine lange Geschichte mit ihrem Kaufhaus. Der Frust sitzt dementsprechend tief. Eine von ihnen ist Nadine Oguz. Sie arbeitet seit 23 Jahren in der Gütersloher Filiale. Mehr noch: Oguz verbindet Familiengeschichte mit dem Geschäft. „Mein Opa hat hier als Tischler begonnen und ich bin über meinen Vater hierher gekommen“, sagt sie. Nun steht die Filiale vor dem Aus. „Das ist frustrierend.“

Verzicht der Mitarbeiter bleibt ohne Erfolg

Sie und ihre Kollegen hätten in den vergangenen Jahren vieles für das Unternehmen gegeben. Verzicht auf Weihnachtsgeld, Gehaltseinbußen und weitere Einschnitte – „es fühlt sich an, als würde das nicht wertgeschätzt“. Oguz steht vor dem Wechsel in eine Transfergesellschaft. Karstadt will das Gehalt in Höhe des Kurzarbeitergelds um 13 Prozent des letzten Nettolohns aufstocken – für sechs Monate. Das helfe finanziell, aber nicht gegen die Gefühlslage der Mitarbeiter, sagt Oguz. „Das Emotionale ist das Schlimmste. Dann kommt Wut.“

Verdi betont: „Wir geben nicht auf“

Die Belegschaft um den Betriebsratsvorsitzenden Ertac Ekinci startete – wie berichtet – eine Online-Petition für das 11 000 Quadratmeter große Geschäft. „Außerdem haben wir bei Kunden Unterschriften gesammelt“, sagt Ekinci. Viele der Mitarbeiter sind mit den Nerven am Ende. Das erfuhr Nina Begemann von Verdi bei zahlreichen Gesprächen. „Wir geben nicht auf!“, macht sie Hoffnung, das Warenhaus doch noch zu retten. Schließlich hätten sechs Filialen durch Verdi-Initiativen gerettet werden können.

Politiker demonstrieren Einigkeit

Auch heimische Politiker demonstrierten Einigkeit. Während Bürgermeister Henning Schulz sich bereits mit Bürgermeistern anderer betroffener Kommunen vernetzte, signalisierte SPD-Kandidat Volker Richter den Schulterschluss mit dem Amtsinhaber. Marion Weike, die für die Sozialdemokraten als Landrätin kandidiert, rief dazu auf, die Mitarbeiter zu unterstützen. „Wir müssen jetzt hier einkaufen und ein Zeichen für den Standort setzen“, forderte die Bürgermeisterin Werthers.

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