LWL-Klinikum feiert die 100 mit Festakt
Bild: Frielinghaus
Bislang unerforschtes Bild- und Textmaterial aus dem Archiv des LWL-Klinikums wurde in dem beim Festakt vorgestellten Dokumentationsband „EinJahrhundertProjekt der Psychiatriegeschichte – von der Provinzialheilanstalt zum LWL-Klinikum Gütersloh“ verarbeitet. Das Bild zeigt (v. l.) den Ärztlichen Direktor Professor Dr. Klaus-Thomas Kronmüller, Historikerin Dr. Ute Pothmann, Landrat Sven-Georg Adenauer, Chefarzt Dr. Bernd Meißnest, Matthias Löb und Monika Paskarbies.
Bild: Frielinghaus

Bei einem Streifzug durch die 100-jährige Geschichte der Einrichtung griff Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), sowohl wegweisende als auch grausame Kapitel auf. Er berichtete vom für damalige Verhältnisse revolutionären Therapieansatz der „aktiven Krankenbehandlung“ des ersten Direktors Hermann Simon. Er ermöglichte den Patienten, die zuvor verwahrt worden waren, durch Beschäftigung in den Gärten oder der Hauswirtschaft der Provinzialheilanstalt Gütersloh eine Verbesserung ihres Zustands.

Gleichermaßen ging Löb auf das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten ein. Auch in Gütersloh seien hunderte Patienten zwangssterilisiert worden, sagte Löb. Von 1939 bis 1945 fielen 1017 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen dem Tötungsprogramm der Nazis zum Opfer.

Ab den 1960er-Jahren sei die Psychiatrie durch die Entwicklung von Psychopharmaka sowie die Enthospitalisierung schließlich moderner geworden. Und Gütersloh sei ganz vorn mit dabei gewesen, sagte Löb. Man habe konsequent den Weg der Spezialisierung im Sinn einer störungsspezifischen Behandlung verfolgt. Später seien auch Zentren für die integrierte Versorgung wie das Zentrum für Alters-, Sucht- und Familienmedizin sowie Psychosomatik geschaffen worden. All das sei gleichermaßen Verpflichtung und Ansporn für die Gestaltung der Zukunft, sagte Löb.

Und das LWL-Klinikum ist auf einem guten Weg: Die neueste Entwicklung in der Psychiatrie, die starke Patienten- und Recovery-Orientierung (Wiedergesundung) soll in Gütersloh weiter ausgebaut werden. Löb kündigte an, dass in naher Zukunft in der Gütersloher Einrichtung eines der ersten Recovery-Colleges in Deutschland gegründet werden soll. Die Idee dahinter sei, außer Therapie- und Bildungsprozessen der Genesung bei psychischen Erkrankungen eine größere Bedeutung zukommen zu lassen, etwa durch Selbsthilfemöglichkeiten.

Im Rahmen des Festakts wurde auch der Dokumentationsband „EinJahrhundertProjekt der Psychiatriegeschichte – von der Provinzialheilanstalt zum LWL-Klinikum Gütersloh“ vorgestellt. Es ist von einer Arbeitsgruppe um die Historikerin Dr. Ute Pothmann verfasst worden.

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