Landärztegesetz lindert Mangel nicht
Die ärztliche Versorgung der Menschen auf dem Lande wird schwieriger. Jüngste Reformversuche können den Ärztemangel auf dem Land nach einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung nicht stoppen.

In ländlichen Regionen müssen sich demnach auch künftig erheblich mehr Patienten einen Arzt teilen als in den Städten. An dieser ungleichen und viel kritisierten Verteilung der Ärzte in Deutschland ändere auch das Landärztegesetz wenig, obwohl genau dies vor zwei Jahren erklärtes Ziel des Gesetzgebers gewesen sei. 

Zwar könnte sich die Versorgung mit Allgemeinmedizinern in bevölkerungsschwachen Regionen verbessern. Trotzdem erreicht das Landärztegesetz laut dem Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann-Stiftung noch nicht einmal in jedem zweiten Landkreis eine bedarfsgerechte Verteilung der Arztsitze.

Ärztefunktionäre halten die Bertelsmann-Kritik für überzogen: Augenarzt Dr. Ulrich Oeverhaus aus Rietberg sagte gegenüber dem WDR, in Ostwestfalen-Lippe habe man längst auf den Landärztemangel reagiert und zum Beispiel Kooperationen geschaffen. Nur im Kreis Lippe gebe es noch Probleme. So werden viele Ärzte in den kommenden zehn Jahren in Rente gehen und für sie müssen Nachfolger gefunden werden.

Das 2012 in Kraft getretene Gesetz zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-VStG), kurz Landärztegesetz genannt, sollte dabei helfen, den Ärztemangel in dünn besiedelten Regionen zu bekämpfen. „Gelungen ist das höchstens in Ansätzen. Im Wesentlichen verfehlt das Landärztegesetz sein Ziel!“, sagte Dr. Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung.

Die neue Bedarfsplanung zur Verteilung der Ärzte, die Teil des Landärztegesetzes ist, löst vor allem bei der Versorgung mit Fachärzten ihr Versprechen nicht ein: Weiterhin praktiziert etwa ein Drittel der Kinder-, Frauen- und Augenärzte in Großstädten, obwohl hier nur ein Viertel der Bevölkerung lebt.

Bei den Kinderärzten droht sich die derzeitige Schieflage sogar auszuweiten. Nach Umsetzung der neuen Bedarfspläne sinkt die Anzahl der Kreise mit angemessener Ärztedichte von aktuell 106 auf 89. Statt derzeit 14 wären künftig 38 Kreise deutlich unterdurchschnittlich mit Kinderärzten versorgt, während die Zahl der deutlich überdurchschnittlich versorgten Kreise von 15 auf 23 steigt.

Nur in 25 Prozent der Kreise (aktuell: 30 Prozent) decken sich die neuen Planungen mit dem Bedarf an Kinderärzten. Bei den Frauenärzten liegt die Übereinstimmung mit nur 18 Prozent noch darunter (aktuell: 19 Prozent). „Die Planung verlangt weiterhin von den Bewohnern des Umlandes, sich in der Stadt behandeln zu lassen“, sagte Etgeton.

Die Bertelsmann-Stiftung spricht sich in der Folge dafür aus, bei den Planungen wohnortnah benötigter Fachärzte die Verhältniszahlen zwischen Einwohner und Arzt anzugleichen und die Planungsgebiete kleinräumiger zuzuschneiden.

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